Betreff: Yoga - Allheilmittel oder Hokuspokus?



Was gibt es Neues?

Nachdem der 10-Wochenkurs reibungslos läuft, planen wir weiter. Da wir unsere Praxis jetzt doch hier in Katzenelnbogen beibehalten, werden wir die Räume erweitern. Das gesamte Obergeschoss des Hauses wird zu Praxisräumen umgebaut. Damit habe ich ein größeres Sprechzimmer mit angrenzendem Trainingsraum, sowie ein Warteraum und ein Badezimmer mit Duschmöglichkeiten. Es wird zwar erst zum Herbst realisiert, aber auf dem Papier sieht es toll aus. Damit besteht die Möglichkeit, auch verstärkt Offline Kurse durchzuführen. Aber erst mal zu unserem heutigen Schwerpunktthema: Yoga


Yoga - Der Weg zur Erleuchtung kann schmerzhaft sein

Heutzutage verbinden die meisten Menschen mit Yoga vor allem den Wunsch, sich zu entspannen und Stress abzubauen. Aber auch die Koordination und die Beweglichkeit des Körpers kann man durch Yogaübungen verbessern und damit schmerzhaften Beschwerden des Bewegungsapparates vorbeugen. Und dann tauchen immer wieder die Werbespots auf, wo versprochen wird, durch Yoga leicht zu werden, also Gewicht zu verlieren.
Aber was ist dran an all diesen Versprechen? Auch wenn ich nicht schwerpunktmäßig Yoga unterrichte, so habe ich eine Ausbildung absolviert und bin immer wieder überrascht, was Leute sich unter Yoga vorstellen.
Yoga ist eine alte philosophische Lehre und Heilkunst, die eigentlich 7 Stufen umfasst. Das populäre Yoga (wenn ich es mal so nennen darf) konzentriert sich aber auf Körperhaltungen, Atemübungen und eventuell noch Meditation.

Die Wurzeln des Yoga liegen in Indien und reichen mehrere tausend Jahre zurück. Nach klassischem Verständnis stellt Yoga einen spirituellen Weg dar, um sich einem geistigen oder religiösen Ziel zu nähern. Yoga betrachtet Körper und Geist ganzheitlich, der Begriff bedeutet übersetzt so viel wie "zusammenbringen" oder "zusammenbinden".
Grundidee beim Yoga ist, dass man an sich arbeiten muss, um sich einem Ziel anzunähern. Auf dem Weg zum Ziel, der Erleuchtung, gibt es die erwähnten 7 Stufen, an denen sich der Mensch orientieren kann, zum Beispiel Selbstdisziplin, Konzentration und Meditation. Es ist kein Zufall, dass es auch 7 Chakren gibt, Energiepunkte im Körper. Das auszuführen ist ungeheuer spannend, aber würde hier zu weit führen. Am Ende des Artikels gibt es noch Links, wo Du mehr Information findest.
  • Yama: Verhalten
  • Niyama: Selbstdisziplin
  • Asana: Körperhaltung
  • Pranayama: Atemführung
  • Pratyahara: Sinnesbeherrschung
  • Dharana: Konzentration
  • Dhyana: Meditation
  • Samadhi: Erleuchtung
Egal ob Hatha-, Ashtanga-, Kundalini- oder Power-Yoga – mittlerweile gibt es viele Varianten von Yoga. Viele Volkshochschulen, Yogazentren, Sportvereine und andere Einrichtungen bieten Yoga für alle Stugen an: Anfänger, Fortgeschrittene, zur Entspannung, zum Fit werden, Auch Yoga für Schwangere oder Kinder ist häufig Teil des Yoga-Angebots. Nicht zu vergessen Lach Yoga oder Yoga für Hunde….
Yoga ist also Alles für Jeden, man kann es sich fast aussuchen. Es hat zwar nicht mehr viel mit Yoga im klassischen Sinne zu tun, aber oft werden die Teilnehmer der Kurse neugierig und wollen mehr lernen.
Das führt natürlich zu Auswüchsen, die den seriösen Yogaschulen Kopfzerbrechen bereiten. Aber auch dort gibt es Themen, über die man nicht so gerne redet. Beispiel: Verletzungen.
Da durfte ich selbst die schmerzhafte Erfahrung machen. Mehrfach….

Wenn man sich erfahrene Yogis in ziemlich abgedrehten Stellungen ansieht, kann man auf die Idee kommen, das nachzumachen. Schlechte Idee. Man sollte immer die eigene Kondition, Beweglichkeit aber auch den Körperbau berücksichtigen. Bei jedem Menschen gibt es Unterschiede im Knochenbauch und eine extreme Rückwärtsbeuge (Brücke, zum Beispiel) ist durch die Stellung der Wirbel nicht bei jedem Möglich. Logisch, dass es bei Überforderung zu Zerrungen kommen kann. Selbst wenn man von Hause aus sehr beweglich ist, sollte man vorsichtig sein: fehlendes Aufwärmen oder Übermäßig langes Halten von bestimmten Positionen führen leicht zu Zerrungen oder gar Überdehnungen.
Kritisch wird es bei schon vorhandenen krankhaften Veränderungen. Ein Klassiker: Bandscheibenvorfall. Bei Rückenschmerzen wird oft der Drehsitz (siehe Grafik rechts) empfohlen, der auch sehr wirksam bei Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich ist. Besteht aber ein Bandscheibenvorfall, kann der Drehsitz diesen noch verschlimmern. Diese Erfahrung musste ich machen und nach einer Einzelstunde war ich reif für den OP.
Noch kritischer wird es bei Nervenquetschungen: hier sind mir 2 Fälle bekannt, wo Yogaschüler über einen längeren Zeitraum (mehr als 1 Stunde) in Stellungen verbracht haben, wo Nerven gequetscht wurden, bzw. nicht ausreichend mit Blut versorgt wurden. In einem Fall kniete die Person zur Meditation, im anderen Fall ist eine Frau bei der sitzenden Vorwärtsbeuge eingeschlafen. Beide mussten längere Zeit ärztlich behandelt werden.

Gefährlich sind Stellungen wir der Pflug (2. von links), Schulterstand (oder Kerze), Rad (ganz links) oder Kobra. Bei all diesen Stellungen wird die Halswirbelsäule stark gebeugt oder überstreckt.
Da viele gesundheitsbewusste Yogis in den mittleren Jahren oder älter sind, kann es zu Ablagerungen in Blutgefäßen gekommen sein, die den Betroffenen gar nicht bekannt sind und auch keine gesundheitlichen Beschwerden machen. Oder die Blutgefäße haben insgesamt an Elastizität verloren, was normal ist, Kommt es nun zu Stellungen, wo der Kopf stark Richtung Brust gebeugt ist, oder in den Nacken überstreckt wird, können sich Ablagerungen lösen und einen Schlaganfall verursachen. Oder Blutgefäße können reißen. Auch dies habe ich in der Yogaschule, wo ich meine Ausbildung machte, erlebt und wie ich erfahren habe, ist das bei Weitem kein Einzelfall. Und es trifft auch jüngere, sehr trainierte Menschen. Das macht die Diagnose oft schwierig, weil man bei dieser Altersgruppe nicht gleich an einen Schlaganfall denkt. 

Nicht zu unterschätzen ist auch der Kopfstand: abgesehen von der Erhöhung des Druckes auf die Blutgefäße im Kopfbereich ist der Kopfstand auch eine Übungssache. Zwar stützt man sich mit den Unterarmen ab und hat dadurch eine gewisse Stabilität, aber wenn man durch irgendwas aus der Balance gebracht wird oder die Kraft in den Armen versagt, kann es im schlimmsten Falle zum Genickbruch kommen. Das habe ich zum Glück in meinem Umfeld noch nie erlebt, aber es sind Fälle bekannt.
Abgesehen von diesen „Hardcore“ Verletzungen gibt es noch andere Claims, die so nicht haltbar und nicht wahr sind.
So wird Yoga oft als Mittel zur Gewichtsreduktion angepriesen. Da stellt sich mir die Frage: was genau ist damit gemeint? Klar, wenn man eine Stunde Power Yoga mit vielen Sonnengrüßen (die gesprungene Variante) macht, ist das ein gutes Fitnesstraining. Aber genauso wenig wie Sport als alleiniges Mittel zum Gewichtverlust geeignet ist, bringen Asanas die Pfunde zum Schmelzen.

Und was ist mit Meditation? Vorsicht, bei der Meditation verlangsamt sich die Atmung, man entspannt sich. Das ist gut, baut langfristig Stress ab und hilf so, Stressessen und die damit verbundenen Extrapfunde zu vermeiden. Aber kurzfristig wird der Stoffwechsel gedrosselt. Erfahrene und trainierte Yogis können ihre Atmung dermaßen reduzieren (ohne nach Luft japsen zu müssen), dass der Grundumsatz um durchschnittlich 13% runterging. Und auch hier sind Frauen benachteiligt: bei Männer war die Reduktion 8%, bei Frauen 18%.

Fazit: ich will hier keineswegs Yoga schlechtmachen oder es herabsetzten. Da ich selbst eine Yogalehrerausbildung habe, kenne ich die unbestrittenen Vorzüge. Aber wie in allen Bereichen sollte man auch hier mit gesundem Menschenverstand und realistischen Erwartungen an die Sache herangehen. Wenn Du mit Yoga beginnen möchtest und in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) nicht aktiv warst, lasse Dich erst mal vom Arzt durchchecken. Suche Dir eine seriöse Yogaschule aus, schaue Dir das Kursangebot an und absolviere eine Probestunde.

Hier findest Du viel Information zum Thema "Yoga":


Du kannst Dich aber gerne auch mit Fragen zum Thema Yoga an mich wenden. Oder hast Du Fragen zu anderen Themen, die Du gerne beantwortet hättest?
Oder sind es bestimmte Schwerpunkte, über die Du mehr wissen möchtest?
Lass es uns wissen, wir werden es gerne in einem der nächsten Newsletter aufnehmen?
Unser nächster Newsletter erscheint am 28. Juni. Das Schwerpunktthema ist noch offen, aber es wird in jedem Fall spannend. Also, lass Dich überraschen.
Danach machen wir 1 Woche Newsletter-Pause, da es sehr viele Voranmeldungen zu Beginn der Sommerferien gibt.



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