Subject: Warum ich lieber über die Pest lese als ins Depot schaue

Warum ich lieber über die Pest lese als ins Depot schaue
Hallo Friend,

die letzten Wochen waren mal wieder ein Feuerwerk an schlechten und ernüchternden Nachrichten. Ich kann es inzwischen weder hören noch lesen. Stattdessen liegen abends endlich wieder historische Romane neben meinem Bett. Die brauche ich gerade als Ausgleich zum ständigen Nachrichten-Dauerfeuer.

Denn neben den täglichen Trump’schen Minderwertigkeitskomplexen passiert auch an den Börsen gerade eine Menge. Wer ins Depot schaut, sitzt in einer wilden Achterbahn. Liefern die KI-Unternehmen gute Zahlen, geht es nach oben. Fallen sie etwas schwächer aus, wird sofort die nächste Finanzkrise herbeigeredet.

Dazu kommen die Staatsschulden und die steigenden Anleihezinsen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte Anfang Oktober zwischenzeitlich den höchsten Stand seit 2002. Auch in Japan und Frankreich sind die Zinsen für ihre Verhältnisse kräftig gestiegen. Bei diesen Schuldenbergen bedeutet das vor allem eines: Die Zinslast der Staaten wächst, und das Geld fehlt an anderer Stelle. Es brodelt ordentlich. Wie sich das alles weiterentwickelt, lässt sich als Privatanleger kaum verlässlich einschätzen.

Schaut man auf den MSCI World, merkt man davon erstaunlich wenig. Mein ETF darauf liegt seit Jahresbeginn gut 18 Prozent im Plus. Doch ein Blick unter die Motorhaube zeigt ein ganz anderes Bild.

Mein Kollege Clemens Faustenhammer hat mich in seinem lesenswerten Newsletter auf eine Auswertung von Mike Wilson aufmerksam gemacht, dem Chefstrategen für US-Aktien bei Morgan Stanley. 

Seit Anfang Juni haben 87 Prozent aller Aktien im breiten Russell 3000 zwischenzeitlich mindestens zehn Prozent verloren. Gut die Hälfte büßte sogar ein Fünftel oder mehr ein. Bei den Halbleiteraktien hat es fast jeden Titel erwischt. Trotzdem gehören Technologie und Energie zu den nur zwei von elf Sektoren im S&P 500, die den Gesamtmarkt in diesem Jahr schlagen. Der Grund: Eine Handvoll Schwergewichte zieht den Sektor und damit den gesamten Index nach oben, während ein Großteil der übrigen Unternehmen mit Gegenwind kämpft.

Für Wilson ist klar, dass das nicht ewig so weitergeht. Irgendwann müssen die Nachzügler aufholen, oder der Index fällt ihnen entgegen. Entscheidend ist für ihn der Anleihemarkt, und damit sind wir wieder bei den steigenden Zinsen. Beruhigen sich die Schwankungen dort nicht bald, rechnet er im S&P 500 mit einem Rücksetzer von fünf bis zehn Prozent. In seinem Podcast „Thoughts on the Market” (englisch) sagt er, dass ihn das nicht schrecken würde, im Gegenteil. Oft ist genau so eine Korrektur der Schlusspunkt, nachdem es unter der Oberfläche schon monatelang gerumpelt hat.

Mich beruhigt diese Einschätzung eher, als dass sie mich nervös macht. Die Schlagzeilen vermitteln oft den Eindruck, der Markt würde sämtliche Risiken ignorieren. Tatsächlich gibt es längst Unternehmen, deren Aktien deutlich unter Druck stehen. Der Gesamtindex erzählt eben nur einen Teil der Geschichte.

In meinem Depot sieht die Welt ohnehin etwas anders aus. Technologie und Energie machen zusammen gerade einmal 14 Prozent aus. Ich bin also deutlich breiter aufgestellt als der MSCI World. Das macht sich in einzelnen Monaten bemerkbar.

Im September lag mein Depot mit 2,3 Prozent im Minus, während der MSCI World dank seiner großen Tech-Werte um 1,1 Prozent zulegte. Im Juli war es genau umgekehrt: Mein Depot gewann 2,1 Prozent, der MSCI World in Euro gerechnet trat mit 0,0 Prozent auf der Stelle. In Dollar lag der Index im Juli zwar im Plus, doch der Wechselkurs machte den Gewinn für uns Euro-Anleger zunichte.
Quelle: Parqet, zeitgewichtete Rendite 2026 meines Depots im Vergleich zum S&P 500 und dem Xtrackers MSCI World 1C
Und wie sieht es seit Jahresbeginn aus? Mein Gesamtdepot (Aktien & ETFs) liegt 17,25 Prozent im Plus, mein MSCI-World-ETF 18,15 Prozent und der S&P 500 14,08 Prozent. Gegenüber dem Weltindex liege ich also nur knapp einen Prozentpunkt zurück, und das mit deutlich weniger Tech im Depot. Den S&P 500 habe ich dagegen hinter mir gelassen.

Hinzu kommt: Als es im Frühjahr kräftig abwärtsging, fiel mein Depot spürbar weniger stark als beide Vergleichswerte. Das ist mir mindestens genauso wichtig wie die Rendite in einer guten Marktphase. Schließlich bringt mir eine Strategie wenig, mit der ich zwar in Hausse-Phasen vorne liege, bei Rücksetzern aber schlecht schlafe.

Den Vergleich ziehe ich übrigens in Parqet. Dort habe ich meinen MSCI-World-ETF und den S&P 500 als Benchmarks hinterlegt und kann die Entwicklung meines Depots direkt gegenüberstellen. Wenn du Parqet ausprobieren möchtest, bekommst du über meinen Link* einen Rabatt von 15 Prozent im ersten Jahr.

Was ich aus der aktuellen Börsenlage mitnehme? Ich möchte mich nicht jeden Monat verrückt machen, nur weil mein Depot einmal schlechter abschneidet als ein Index. Einzelne Monate sind Momentaufnahmen, und auch die täglichen Schlagzeilen sagen wenig darüber aus, ob eine langfristige Strategie funktioniert.

Deshalb bleibe ich bei meinem Kurs, schaue nicht ständig ins Depot und greife abends lieber zum Buch.

Gerade liegt „Die Pestärztin“* auf meinem Nachttisch. Ok, ausgerechnet die Pest als Ablenkung von schlechten Nachrichten. Klingt komisch, ich weiß. Aber nach ein paar Kapiteln im Mittelalter erscheinen die eigenen Sorgen manchmal erstaunlich klein.

Parallel lese ich den Spiegel-Bestseller „Inside 2029“* von Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes. Darin beschreibt er in Form eines Berichts aus der Zukunft, wie Deutschlands Wirtschaft wieder Weltklasse werden könnte. Das Buch will Mut machen, und das gelingt ihm. Genau das kann ich nach all den schlechten Nachrichten gerade gut gebrauchen.

Sebastian Matthes kennst du vielleicht schon aus „Meckel & Matthes“, meinem Lieblingspodcast, den ich dir hier schon einmal empfohlen habe.

Und jetzt bin ich neugierig: Was liest du gerade zum Abschalten? Ich freue mich über deine Tipps.

Viele Grüße
Neue Podcastfolge: Finanzrocker-Podcast
Vor gut acht Jahren war Vincent von Freaky Finance schon einmal bei mir im Finanzrocker-Podcast. Damals war finanzielle Freiheit für ihn noch ein Ziel. Inzwischen ist er 49 und hat es tatsächlich durchgezogen: Nach 33 Jahren beim selben Arbeitgeber ist er seit dem 1. September 2026 kein Angestellter mehr.
Neue Podcastfolge: Mehr Mut zum Glück
Wiebke Jahn hat ein Haus gekauft, in dem sie nie gestanden hatte. Sie kannte Fotos, einen Preis und einen Ort auf der Karte. 2021 ist sie mit ihrem Mann und drei kleinen Kindern nach Schwedisch Lappland gezogen, in eine Gegend, in der man 50 Kilometer laufen kann, ohne jemandem zu begegnen. 

Fünf Jahre später lebt die Familie auf dem 65. Breitengrad, in einem Dorf mit zwölf Einwohnern. Über den Weg dorthin hat Wiebke ein Buch geschrieben: Schneesturmtage. In Folge 72 von „Mehr Mut zum Glück” habe ich mit ihr darüber gesprochen, was dieser Schritt gekostet hat und was er zurückgegeben hat.

Neue Podcastfolge: Finanzrocker-Podcast
Mehr als 14.000 Euro Nettodividende im Jahr, 49 Werte im Depot und eine ziemlich ungewöhnliche Strategie: Stefan verteilt sein Vermögen auf verschiedene „Vermögensbeine“, damit nicht gleich der ganze Tisch umfällt, wenn eines davon Probleme bekommt.

Stefan hört den Finanzrocker-Podcast schon seit Jahren. Eigentlich wollten wir uns bereits 2022 für ein Interview zusammensetzen. Jetzt hat es endlich geklappt.

Sein Weg zum heutigen Dividendendepot war allerdings alles andere als geradlinig. Und genau das macht seine Geschichte so interessant.
Monatsrückblick
Noch ein kurzer Blick hinter die Kulissen. Im letzten Newsletter hatte ich versprochen, dass der nächste nicht so lange auf sich warten lässt. Tja, jetzt sind es doch wieder fast zwei Monate geworden.

Auf der faulen Haut lag ich in der Zeit allerdings nicht. Ich habe vier ziemlich lange und aufwendige Podcast-Folgen aufgenommen und geschnitten, zwei weitere für November sind auch schon im Kasten. Für den Newsletter blieb da schlicht keine Zeit.

Letzte Woche stand ich außerdem in Berlin auf der Bühne und habe für meinen Arbeitgeber einen Vortrag gehalten. Es ging darum, wie kleine Marketing-Teams KI sinnvoll einsetzen und damit besser messbare Ergebnisse erzielen. Ein Thema hat mich dabei besonders beschäftigt: die Veränderungen bei YouTube und Google.

Seit dem 24. August zählt YouTube einen Aufruf bereits ab dem ersten abgespielten Frame. Schon ein kurzes Anspielen reicht also. Bei meinen Videos haben sich die Aufrufzahlen seitdem ungefähr verdoppelt, dranbleiben tut aber nur etwa die Hälfte. Beschweren will ich mich trotzdem nicht, denn die beiden letzten Finanzrocker-Videos liefen auch unabhängig davon richtig gut.

Spannender finde ich, was im Hintergrund passiert. YouTube wird immer enger mit der Google-Suche und den KI-Antworten verzahnt. Gemini kann die Inhalte von Videos auswerten und Suchenden dadurch deutlich passgenauere Empfehlungen geben. In den USA gibt es mit „Ask YouTube” sogar schon eine KI-Suche, mit der man direkt an die passende Stelle im Video springt. Ich rechne damit, dass sich in den nächsten Monaten noch eine Menge tut. Da ich insgesamt drei YouTube-Kanäle betreue, bleibe ich da dran.

Und dann steht noch ein Abschied an: Am Donnerstag, dem 15. Oktober, erscheint die finale Episode von „Der Finanzwesir rockt”. Albert und ich haben knapp 80 Minuten miteinander gesprochen. Wir blicken zurück, reden über Geldanlage und klären, wie wir uns seit 2015 verändert haben. Schon bei der Aufnahme habe ich gemerkt, wie besonders unsere Gespräche über all die Jahre waren und was für tolle Folgen dabei entstanden sind.

Danach wird es im Podcast-Kosmos etwas ruhiger. Mitte November geht es mit „Mehr Mut zum Glück” weiter, Ende November mit dem Finanzrocker-Podcast. Das sind dann auch die letzten Folgen in diesem Jahr.

Der nächste Newsletter kommt im November, und das Thema dafür steht schon. Diesmal halte ich mein Versprechen. Alles Gute bis dahin!
Disclaimer: Vom Versender dieses Newsletters gehandelte Aktien, ETFs, P2P-Kredite, Anleihen und Fonds sind immer mit Risiken behaftet. Alle Texte sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie wurden nach bestem Wissen und Gewissen aus öffentlich zugänglichen Quellen übernommen. Alle zur Verfügung gestellten Informationen (alle Gedanken, Prognosen, Kommentare, Hinweise, Ratschläge etc.) dienen allein der Bildung und der privaten Unterhaltung.

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Daniel Korth, Dornbreite 7n, 23556, Lübeck, Deutschland
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