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Die Welt um uns ist nicht auf unseren langfristigen Nutzen ausgerichtet. Stellen Sie sich vor, sie gehen die Strasse entlang und jedes Geschäft versucht, Ihnen Ihr Geld aus dem Geldbeutel zu ziehen; in Ihrer Tasche haben Sie ein Telefon und jede App will Ihre Aufmerksamkeit und kontrolliert uns damit. Viele Elemente um uns herum wollen uns zu Aktionen verleiten, die zu deren Nutzen sind. So macht die Welt die Dinge sehr, sehr schwierig.

Die Frage, die manche beschäftigt ist: „Wie kann ich mich besser fokussieren?“ Wir werden ständig abgelenkt und merken es gar nicht.

„Was das konzentrierte Arbeiten noch erschwert: Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass der Wechsel zum Oberflächlichen keine Wahl ist, die mühelos rückgängig gemacht werden kann. Wenn Sie genügend Zeit mit fieberhafter Oberflächlichkeit verbringen, verringern Sie dauerhaft Ihre Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten. „Das Internet scheint meine Fähigkeit zur Konzentration und Kontemplation zu reduzieren“, gestand der Journalist Nicholas Carr in einem häufig zitierten Artikel des Atlantic in 2008. „(Und) da bin ich nicht der Einzige.“ Carr liess diese Feststellung in ein Buch münden, Wer bin ich, wenn ich online bin (engl. The Shallows), das zu den Finalisten für den Pulitzer-Preis gehörte. Passenderweise musste Carr, um Wer bin ich, wenn ich online bin zu schreiben, in eine Hütte zurückziehen und sich gewaltsam von allem abkapseln.“[1]

„Die digitale Revolution verändert das Denken und den Denkapparat. An diesem Befund kann kein Zweifel mehr bestehen, und die Widerrede dagegen, sofern sie nicht ausschliesslich von Geschäftsinteressen gespeist ist, hat Züge des Ewiggestrigen. Das neunzehnte Jahrhundert hat die Industrialisierung dessen erlebt, was menschliche Hände machen können. Das zwanzigste Jahrhundert hat die Industrialisierung der menschlichen Fortbewegungsorgane vollzogen. Jetzt erleben wir die Industrialisierung des Gehirns.“[2]


Die sechzig Sekunden sind schon wieder vorbei. Bleiben noch 1.439 Minuten für heute.

Unten oder hier on-line mehr über das 
"Fokus zurückerobern"

Beste Wünsche für eine kreative und produktive Woche
Ihr

Harry Groenert



30-Tage-Challenge

Zuhören meistern - besser kommunizieren

Am 25. April 2017 wird das 30-Tage E-Seminar Challenge „Zuhören meistern“ starten.

Gut zuhören kann man lernen. Es ist eine Fertigkeit und wie beim Lernen jeglicher Fähigkeit gilt es, sich zu beobachten und auf „Übung macht den Meister“ zu vertrauen. Es geht nicht nur um zu hören, sondern um zuzuhören, zu verstehen, was der andere sagt und sich aktiv am Dialog zu beteiligen. Gutes Zuhören ist die Voraussetzung um selbst gut gehört zu werden.
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Momente III - Alle Artikel Juli - Dezember 2016 als PDF
Momente II  - Alle Artikel Januar - Juni 2016 als PDF
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Fokus ist wie ein Muskel

Wir glauben, zwischen Apps auf dem Smartphone, E-Mail, TV, Facebook hin und her springen sei nur eine schlechte Angewohnheit. Es ist mehr und es ist heimtückisch. Cal Newport erklärt, dass zu viel Ablenkung uns die Fähigkeit stiehlt, uns zu konzentrieren:

„Menschen die viel hin und her springen glauben zwar, dass sie sich konzentrieren können, aber die Realität zeigt, dies ist nicht der Fall. Wenn du ihnen eine Aufgabe gibst, die Konzentration erfordert, dann führen sie sie schlechter aus als jene, die weniger Zeit damit verbringen, ihre Aufmerksamkeit aufzusplittern.“

Fokus ist eine Fähigkeit die trainiert werden will. Man kann nicht einfach entscheiden, „Jetzt konzentriere ich mich für drei Stunden“ – denn wenn man seine Fähigkeit, sich zu konzentrieren vergessen, das heisst verlernt hat, wird einem das ganz schön schwer fallen. Es ist wie beim Muskelaufbau, je häufiger man die Gewichte stemmt, umso kräftiger wird man. Um sich besser fokussieren zu können muss man sich mehr fokussieren, aber was ist hier der erste Schritt?

Das Gehirn frei machen

Wir wollen uns konzentrieren, aber gleichzeitig sind wir noch um weitere 362 Dinge besorgt. Das ist eine Herausforderung. Ungelöste Probleme in unserem Kopf lenken nicht nur ab, sondern wie die Wissenschaft lehrt, macht es uns auch dümmer und stiehlt Kreativität.

Unsere mentale Feuerkraft ist limitiert. In zwei Studien wurde festgestellt, um vollständig in die neue Aufgabe einzugehen, muss die alte vergessen werden, um vollständige Aufmerksamkeit und Fokus zu gewinnen. Cal Newport nennt dies „Aufmerksamkeits-Rückstände (engl. attention residue)“.

Die Lösung ist einfach. Die Besorgnisse aus dem Hirn nehmen und notieren. Ich persönlich verwende dafür Evernote. Wenn wir etwas Wichtiges im Kopf haben, z.B. eine To-Do Aktivität, dann haben wir Angst, dass wir es vergessen und unser Hirn wiederholt und wiederholt, wirft es im Kreis herum, die Neurowissenschaftler nennen es die „Wiederholungs-Schleife (engl. rehearsal loop)“ im Netzwerk, das den prä-frontalen Kortex mit dem Hippocampus verbindet. Das Notieren von Aufgaben und allem anderen, was sich gerne in der Schleife aufhält, gibt dem Gehirn die explizite Erlaubnis, es jetzt zu vergessen und dies befreit belegte Ressourcen.

Umfeld

Den grössten Einfluss auf unsere Fokussier-Fähigkeit haben Ablenkungen. Fokus ist eine Funktion und je besser wir alle Ablenkungen reduzieren, umso weniger schieben wir auf. Erst noch den Kaffee oder ich muss jetzt was essen bevor ich anfange sind Beispiele. Was die Analyse von Hocherfolgreichen zeigt, ist, dass sie ungestört arbeiten. Willenskraft ist limitiert aber die Wahl des Umfeldes liegt an uns. Gibt es Zeitabschnitte im Tagesverlauf, in denen wir besonders produktiv sind, wo es uns leichter fällt, konzentriert zu arbeiten? Ist es das Do-Not-Disturb Schild, das an die Tür gehängt werden soll oder einfach die Routine, zu bestimmten Zeiten ungestört zu arbeiten? Cal Newport beschreibt in seinem Buch ein Extrem:

Peter Shankman hatte ein Manuskript für ein Buch in zwei Wochen abzuliefern. Er buchte einen Hin-und Zurück Businessklasse Flug nach Tokio und schrieb während des ganzen Fluges, hatte einen Espresso in der Lounge in Tokio und schrieb während des Rückfluges. Ohne Internet, ohne irgendwohin gehen zu können und mit nichts anderem, was ihn interessieren hätte können, schrieb er das Buch in diesen 36 Stunden, die er unterwegs war.

Nein, ein Flug nach Tokio muss es nicht sein, aber im richtigen Umfeld mit der richtigen Einstellung lässt es sich einfacher fokussieren.

Agieren anstatt reagieren

Die Notifikationen am Smartphone abstellen und der PC soll nicht jede neue E-Mail ansagen. Wenn schon nicht nach Tokio fliegen dürfen, kann man trotzdem für Intervalle, in denen man „deep work“ verrichten will, den Flugmodus einstellen. Es geht darum, das Reagieren zu minimieren und lieber zu entscheiden, dass alles mit unserer Entscheidung beginnt und mit unserer Entscheidung endet. Es ist eine Verwandte der Wiederholungs-Schleife. Es scheint kein grosses Problem zu sein, alle zehn Minuten kurz über die In-Box zu fliegen, aber dieser kurze Check addiert Neues auf die Bühne unserer Aufmerksamkeit. Die Bühne ist jedoch ziemlich klein – und noch schlimmer – Nachrichten zu sehen, mit denen man im Moment nicht umgehen kann (was fast immer der Fall ist), führt zum Aufwand, zur primären Aufgabe zurückzukehren, während die sekundäre unerledigt ist und sich ebenfalls auf der Bühne breit macht.

Schlafen

Warum verbringen wir so viel Zeit mit Surfen im Internet? Weil wir zu wenig schlafen, sagen die Wissenschaftler. Im Schlaf regenerieren wir regulatorischen Ressourcen und die Studien bestätigen, je weniger Schlaf, umso gefährdeter sind wir, uns im Websurfen zu verlieren. Zuwenig Schlaf reduziert Willenskraft (die sowieso weggeht wie heisse Semmeln) und schränkt unsere Konzentrationsfähigkeit erheblich ein. Prof. Anders Ericsson, der uns die 10.000 Stunden Regel um perfekt zu sein geliefert hat, geht noch weiter:

„Aus zehn täglichen Aktivitäten war es nur der Schlaf, der als wichtig erachtete wurde, um Violine spielen besser zu lernen.“

Mit Aufmerksamkeit und Fokus wird die Leistungsfähigkeit erhöht, sowohl im Beruf als auch im Privaten. Aber es gibt einen noch wichtigeren Grund den Fokus-Muskel zu trainieren:

Es macht glücklicher – denn wir kreieren unsere Welt mit dem, dem wir unsere volle Aufmerksamkeit widmen.

[1] Aus dem Vorwort
Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen von Cal Newport

[2]
Wer bin ich, wenn ich online bin von Nicholas Carr
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