Ähnliches ließe sich vom Baum der Erkenntnis sagen: Die wissenschaftliche Erkenntnis, die zum Lichte strebt, hat sich in den letzten Jahrhunderten enorm erweitert und immer weiter verästelt, sich immer weitere Einzelheiten erschlossen. Dabei ist uns allerdings der Blick auf die Ganzheit des Baumes zunehmend abhanden gekommen. Und da reicht es nicht, nur zurückzutreten, um ihn vollständig zu sehen. Wir müssen tiefer, ins Dunkle schauen (oder spüren?), um zu erfühlen, was diesen Baum trägt und nährt.
Dazu brauchen wir andere Sinne und Werkzeuge als Augen und Verstand: ein intuitives Gewahrsein, eine Offenheit für das, was nicht augenscheinlich ist. Dieses Gewahrsein ist in uns angelegt, das weiß jedes Kind. Doch allzu leicht lassen wir es uns nehmen, wenn der Intellekt die Alleinherrschaft beansprucht.
Jetzt könnte ich all unsere Bücher aufführen, die diesen Anspruch des Intellekts in Frage stellen und wieder Türen zu dem umfassenderen Gewahrsein öffnen. Wir finden es bei Darryl Wilson und den Kogi, bei Marko Pogačnik, Nora Hansing und Thomas Mayer, um nur einige wenige zu nennen.
Bei Licht besehen, besteht ein Wald aus einzelnen Bäumen. Schauen wir jedoch tiefer und ins Dunkle, sehen wir ein lebendiges Netz aus vielfältigen Verbindungen. Der Verstand sieht bloß das Getrennte, die Dinge jeweils für sich. Doch die Seele erkennt das Verbindende, die Beziehungen, in die jedes Ding untrennbar eingebettet ist.
Verstand und Seele sind sich ergänzende Erkenntnisorgane. Sie gehören zusammen wie Licht und Dunkel: Das eine kann ohne das andere nicht sein. Bloß aus dem Verstand gespeiste Erkenntnis ist vielleicht nutzbar, bleibt jedoch zusammenhanglos und führt – wie wir heute bitter erkennen müssen – zu einer Welt, die immer mehr des Lebendigen und Schöpferischen entbehrt.
Aus der großen Vielfalt unserer Bücher möchte ich an dieser Stelle drei Titel nennen, die je auf ihre Art unsere Seele weiten und nähren: