Subject: Tipps, wie Sie gute Laune bei sich und anderen fördern können

Warum echte Erholung mehr ist als Feierabend: Was die Forschung von Sabine Sonnentag zeigt

Die Forschung zu Erholung von Arbeit, u. a. von Prof. Sabine Sonnentag, ist ziemlich konsistent: Erholung wirkt vor allem dann, wenn sie hilft, Beanspruchung herunterzufahren und persönliche Ressourcen wieder aufzubauen. Ein zentrales Modell aus dieser Forschung beschreibt vier besonders hilfreiche Recovery Experiences:
- psychologisches Abschalten von der Arbeit,
- Entspannung,
- Mastery (etwas Anspruchsvolles/Lernförderliches in der Freizeit)
- Kontrolle über die freie Zeit.

Diese Erfahrungen hängen mit besserem Wohlbefinden, besserer Stimmung und mehr Frische am nächsten Morgen zusammen.

 

Am robustesten ist der Befund zum psychologischen Detachment: Also nach Feierabend mental nicht weiter bei Mails, Problemen, Konflikten oder To-dos zu hängen. Sonnentags Arbeiten zeigen, dass dieses Abschalten besonders wichtig ist, wenn der Arbeitstag stressig war. Fehlendes Abschalten ist mit mehr Erschöpfung und mehr Belastungssymptomen verbunden. Eine Meta-Analyse bestätigt außerdem, dass Detachment für eine Reihe von Gesundheits- und Wohlbefindens-Outcomes relevant ist.

 

Was praktisch oft gut wirkt:

1. Klare Arbeitsgrenzen nach Feierabend. Keine dauernde Erreichbarkeit, keine „nur kurz noch“-Schleifen, feste Schlussrituale.

2. Entspannende Aktivitäten. Spaziergang, ruhige Bewegung, Atem-/Achtsamkeitsübungen, Lesen, Musik, soziale Zeit ohne Arbeitsbezug.

3. Mastery-Erlebnisse. Hobbys, bei denen man etwas lernt oder sich als wirksam erlebt, z. B. Sport, Instrument, Garten, Sprache, Handwerk.

4. Autonomie in der Freizeit. Selbst entscheiden können, was man nach der Arbeit und am Wochenende macht, statt nur auf Anforderungen zu reagieren.

 

Diese vier Punkte entsprechen direkt dem Sonnentag-Rahmen und wurden auch für Abende und Wochenenden belegt.

 

Ebenfalls wichtig sind Schlaf und Bewegung. Sonnentag und Kolleg:innen beschreiben Erholung nicht nur als „nichts tun“, sondern auch als Prozesse, die Schlafqualität und Energie für den nächsten Tag verbessern. In weiteren Arbeiten wird außerdem körperliche Aktivität regelmäßig als erholungsfördernder Prozess genannt.

 

Weniger wirksam ist Freizeit, die zwar Zeit frisst, aber keine echte Distanz schafft, z. B. abendliches Weitergrübeln über Arbeit, ständiges Checken von Nachrichten oder Freizeit, die sich wieder wie Pflicht anfühlt. Das passt auch zur sogenannten Recovery Paradox: Gerade wenn Menschen stark belastet sind und Erholung am meisten bräuchten, fällt ihnen Abschalten oft am schwersten.

 

Als knappe Essenz aus der Forschung: Erholung wirkt, wenn man nach der Arbeit innerlich auf Abstand kommt, runterfährt, etwas freiwillig und selbstbestimmt tut und idealerweise auch positive Kompetenz- oder Erfolgserlebnisse hat. Nur „frei haben“ reicht dafür oft nicht.

 

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10 Tipps, wie Sie gute Laune bei sich und anderen fördern können

 

1 Schätzen Sie das Klima im Team bzw. Unternehmen ein & identifizieren Sie die Ursachen schlechter Laune – bei sich und im Team:

Können Sie Ihre Stimmung und die im Team gut einschätzen? Spüren Sie die emotionale Atmosphäre Ihres Teams ebenso wie Ihre eigene? Ist Ihr Team optimistisch?  Oder steht es unter Strom? Ist ein Mitarbeitender niedergeschlagen oder traurig? Wirken die Team-Mitglieder etwas ängstlich und eher vorsichtig?

 

2 Bewegung als Mittel gegen schlechte Laune:

Wer sich bewegt, kann nicht lange schlecht gelaunt bleiben. Denn er regt mit seiner Bewegung Prozesse im Körper an, die der schlechten Laune entgegenwirken. Das Gehirn wird besser durchblutet, die Reflexionsfähigkeit wird gesteigert und Glückshormone, wie zum Beispiel Endorphine, werden vermehrt ausgeschüttet.

 

3 Atmen:

Langes, tiefes Atmen bis in den Bauch hinein beruhigt und senkt den Stresspegel. Wer sich beruhigt, kann manches mit anderen Augen sehen. Das hilft, um aus dem einseitigen Blickwinkel der schlechten Laune herauszukommen.

 

4 Eine gesunde Portion Optimismus:

Ihr Mindset bestimmt, ob Sie schlechter Laune Raum gewähren oder ihr Einhalt gebieten. Eine positive Einstellung zum Leben und zu Ihren Mitmenschen begünstigt Ihre Stimmungslage. Sie können sich in dieser Haltung üben, in dem Sie zum Beispiel Dankbarkeit trainieren.

 

5 Sorgen Sie für guten Schlaf:

Schlafmangel schadet guter Laune. Wer regelmäßig zu wenig oder schlecht schläft, wird schnell reizbar und kann langfristig sogar depressiv werden. Schlafmangel beeinträchtigt die Psyche. Üben Sie sich deshalb in Schlafhygiene und sorgen Sie für ausreichend Schlaf im Alltag.                                                                                                                                                                                             

6 Suchen Sie möglichst viele positive Interaktionen:

Wenn wir anderen offen und freundlich begegnen, gehen wir in Resonanz und erzeugen bei unserem Gegenüber in der Regel ein Lächeln. Versuchen Sie, in Ihrer Kommunikation und Ihrem Verhalten zugewandt und empathisch aufzutreten – das positive Echo hebt Ihre eigene Laune.                                                        

 

7 Gönnen Sie sich kurze Pausen:

Um nicht in einen Zustand der Anspannung und Reizbarkeit zu geraten, ist es hilfreich, sich immer wieder alle 90 Minuten kurze Pausen zu gönnen. Manchmal hilft schon bewusstes Entspannungsatmen am Schreibtisch für einige Minuten, den Blick aus dem Fenster in die Natur zu richten und in der Mittagspause einen kurzen Gang an der frischen Luft zu machen.

 

8 Managen Sie Ihre Emotionen:

Achten Sie besonders darauf, wie Sie mit Emotionen umgehen, wenn sich Ihr Unternehmen oder Team in einer Phase größerer Veränderungen befindet: Wie Sie in diesen entscheidenden Zeiten mit Emotionen umgehen, kann den Veränderungsprozess unterstützen oder behindern. Es ist bekannt, dass Widerstand gegen Veränderungen, wenn er emotionaler Natur ist, die am schwersten zu überwindende Form des Widerstands ist. Vermeiden Sie als Führungskraft nicht die Emotionen, die den Veränderungsprozess begleiten, sondern steuern Sie die Emotionen – sonst werden Sie gesteuert.

 

Sie dürfen negative Emotionen in bestimmten Situationen ausdrücken und empfinden. Aber positive Emotionen sind oft viel produktiver. Sie können die Motivation, Zusammenarbeit und Kreativität zwischen Teams steigern. Auch wenn negative Emotionen nicht ignoriert werden sollten, ist es dennoch wichtig, ein positives und ermutigendes Arbeitsklima zu pflegen. Beginnen Sie deshalb Team-Meetings mit einer positiven Runde. Fördern Sie eine ruhige, entspannte Stimmung und verfolgen Sie einem konsequenten, positiven Ansatz.

 

9 Miesepeter ins Gebet nehmen:

Sie werden in Ihrem Team Menschen mit unterschiedlichster Persönlichkeit haben, darunter vielleicht auch Mitarbeitende mit permanent schlechter Laune. Führen Sie mit solchen „Miesepetern“ ein Gespräch und gehen Sie der zur Schau gestellten Laune auf den Grund. Fragen Sie, was Sie tun können, damit Ihr Mitarbeitender zufriedener ist und machen Sie ihm bewusst, dass seine Laune auch aufs Team ausstrahlt.

 

10 Schenken Sie Hoffnung:

Als Führungskraft sind Sie für Ihr Team ein Hoffnungsträger – ob Sie wollen oder nicht. Gerade in schwierigen Zeiten, in denen Mitarbeitende verunsichert sind, braucht Ihr Team positive Impulse. Signalisieren Sie Hoffnung, Zuversicht und Lösungsorientierung statt schlechte Stimmung durch eigene Bedenken und Sorgen zu verstärken.

 

Gute Laune fällt nicht vom Himmel, sondern ist ein Produkt innerer und äußerer Faktoren. Sie können mit Ihrer eigenen Haltung viel dazu beitragen – und für andere ein Umfeld schaffen, das gute Laune begünstigt. Achtsamkeit, Empathie und Mitgefühl für sich und andere helfen Ihnen dabei. Versuchen Sie, die Dinge mit Humor zu nehmen. Wer auch in Stresssituationen noch lachen kann, verschafft sich Erleichterung. Und jedes Lächeln erzeugt positive Gefühle. Der Psychologe Paul Ekman unterscheidet 19 verschiedene Arten des Lächelns, darunter sei nur ein Lächeln echt. Und doch wirkt sich jedes Lächeln, ob künstlich oder echt, auf unsere Gefühlslage aus. Und in unserer krisenreichen Zeit ist jedes Lächeln ein willkommener Impuls, jedes Lachen eine Befreiung aus der Beklemmung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihrem Team jede Menge gute Laune – und den Mut, einfach mal so herzhaft laut zu lachen wie Kamala Harris es ständig tut.

 

Literatur

„Wenn der Boss schlechte Laune hat“, Carina Kontio, https://www.handelsblatt.com/karriere/fuehrungsstil-wenn-der-boss-schlechte-laune-hat/20983502.html, abgerufen am 15.08.2024
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Für den Inhalt verantwortlich: Antje Heimsoeth

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