Ist es eigentlich nur bei mir so – oder sind wir in Deutschland manchmal erstaunlich gut darin, Fortschritt erst einmal abzulehnen?
Ich habe inzwischen tatsächlich eine Blockierliste für Kommentare unter meinen Instagram- und Facebook-Anzeigen angelegt. Nicht wegen sachlicher Kritik. Die finde ich wichtig. Sondern wegen Kommentaren zur Nutzung von KI, bei denen mir – sorry – manchmal wirklich kein besseres Wort als „dumm“ einfällt.
Einer Kollegin wurde unter ihre Werbung geschrieben, man hoffe, sie habe nicht zu viel Geld für die PR-Agentur bezahlt, die ihr „diese KI-Werbung“ gemacht habe.
Und ich frage mich: Warum eigentlich diese reflexartige Ablehnung?
KI ist für mich Fortschritt. Punkt.
Ich möchte sie in meinem Arbeitsalltag nicht mehr missen. Sie spart mir Zeit. Sie gibt mir Impulse. Manche KI-generierten Bilder finde ich großartig. Manche Präsentationsfolien sehen heute deutlich professioneller aus als früher. Und wenn KI dabei hilft, aus einem sperrigen Text einen gut lesbaren Text zu machen: Wo genau ist das Problem?
Natürlich macht KI aus schlechtem Inhalt nicht automatisch guten Inhalt.
Wer keine Idee, keine Erfahrung, keine Haltung und nichts zu sagen hat, wird auch mit KI nicht plötzlich zum Experten. KI ersetzt nicht das Wissen hinter einem Text. Sie ersetzt keine Erfahrung. Keine Persönlichkeit. Keine Expertise.
Aber sie kann dabei helfen, all das besser sichtbar zu machen.
Und gerade Menschen, denen Schreiben nicht leichtfällt, können davon enorm profitieren. Vielleicht gehöre ich manchmal sogar selbst dazu. 😉 Wenn mir ein Werkzeug hilft, meine Gedanken klarer auszudrücken, Fehler zu korrigieren oder einen Text leichter lesbar zu machen, dann empfinde ich das nicht als Bedrohung, sondern als Segen.
Ganz ehrlich: Ich lese lieber einen klar strukturierten, gut formulierten Text, der mithilfe von KI optimiert wurde, als einen Text voller Schachtelsätze und sprachlicher Fehler.
Was mich viel mehr beschäftigt, ist unsere Haltung gegenüber Veränderung.
Warum muss Neues so oft erst einmal schlechtgeredet werden? Ist es Angst? Unsicherheit? Neid? Die Sorge, nicht mehr mithalten zu können? Oder einfach die Gewohnheit, Veränderungen grundsätzlich skeptisch zu begegnen?
Ich würde mir für unser Land deutlich mehr Offenheit, Neugier und Lust auf Fortschritt wünschen.
Denn eine Wirtschaft wird nicht dadurch stark, dass sie an alten Arbeitsweisen festhält. Unternehmen bleiben nicht wettbewerbsfähig, indem sie neue Technologien belächeln. Und eine Gesellschaft entwickelt sich nicht weiter, wenn die erste Reaktion auf Veränderung immer lautet: „Brauchen wir nicht.“
Wir müssen nicht jede technologische Entwicklung unkritisch feiern. Aber wir sollten aufhören, sie reflexartig zu verteufeln.
KI wird nicht wieder verschwinden. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob wir sie nutzen. Sondern wie klug, verantwortungsvoll und menschlich wir sie nutzen.
Ich bin gespannt: Wie erlebt ihr diese Diskussion? Begegnet euch diese grundsätzliche Ablehnung von KI ebenfalls?