Subject: Unterschied zwischen vollständiger Akzeptanz und einer bereitwilligen Akzeptanz

Unterschied zwischen vollständiger Akzeptanz und einer bereitwilligen Akzeptanz

Wenn ich Menschen frage, was Achtsamkeit bedeutet, sprechen viele über Bewusstsein oder Wahrnehmung – also sich etwas bewusst machen oder eine Perspektive auf etwas haben. Aber oft fehlt dabei der Aspekt der Akzeptanz.

 

Manche verstehen Akzeptanz falsch. Sie denken: „Wenn ich etwas akzeptiere, das ich gerade erlebe, dann darf ich keinen Konflikt mehr damit haben.“ Darum geht es nicht. Ich arbeite als Mental Coach nicht mit radikaler Akzeptanz. Ich erzwinge keine vollständige Akzeptanz. Es geht nicht um eine absolute Form von Akzeptanz, sondern eher um eine flexiblere Form davon.

 

Es geht um die Fragen: Was ist die Realität dieser Situation? Bist du bereit, dich der Realität der Situation zu stellen? Was ist hier die tatsächliche Realität, die ich gerade anerkennen kann? Woran halte ich fest? Was kann ich loslassen? Kannst du anerkennen, dass da vielleicht immer noch Anspannung vorhanden ist?

 

Vollständige Akzeptanz = etwas wird innerlich vollständig angenommen, ohne inneren Widerstand. Die Situation, Tatsache oder Realität wird als gegeben integriert.
Beispiel: „Ich akzeptiere, dass meine Knieverletzung meine sportlichen Möglichkeiten dauerhaft verändert hat.“ Hier steckt kein „eigentlich müsste es anders sein“ mehr dahinter.

 

Bereitwillige Akzeptanz = etwas wird bewusst und freiwillig angenommen, obwohl möglicherweise noch Wünsche, Enttäuschung oder Widerstand vorhanden sind. Der Fokus liegt auf der Entscheidung: Ich gehe mit dieser Realität mit, statt gegen sie zu kämpfen.
Beispiele:
„Ich hätte mir eine andere Entwicklung gewünscht, aber ich bin bereit, diese Situation anzunehmen und damit zu arbeiten.“

 „Ich mag das nicht, und ich akzeptiere, dass ich es nicht mag. Das ist gerade Teil meines Lebens, und ich gehe damit.“


Der Unterschied liegt vor allem in der inneren Haltung gegenüber dem, was akzeptiert wird.

 

Man könnte es wie folgt sehen:

1. Widerstand: „Das darf nicht sein.“

2. Bereitwillige Akzeptanz: „Ich mag es vielleicht nicht, aber ich entscheide mich, es anzunehmen.“

3. Vollständige Akzeptanz: „Es ist so – und ich bin innerlich damit im Reinen.“


Psychologisch wird „bereitwillige Akzeptanz“ oft als aktiver Prozess beschrieben (z. B. in achtsamkeits- oder ACT-orientierten Ansätzen). Sie bedeutet nicht Zustimmung oder Begeisterung, sondern Offenheit gegenüber der Realität. Vollständige Akzeptanz kann eher als ein späterer Zustand oder Ergebnis dieses Prozesses verstanden werden.


Ein wichtiger Punkt: Akzeptanz bedeutet weder Resignation noch Billigung. Man kann eine Situation akzeptieren und gleichzeitig sagen: „Ich akzeptiere, dass dies gerade Realität ist – und ich arbeite daran, sie zu verändern.“

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Fokus ist von Natur aus stärker auf dem Negativen

 

Die Reaktionsweise unseres Gehirns bei der Verarbeitung von Erfahrungen zu kontrollieren, ist eine Herausforderung. Denn Studien haben gezeigt, dass unser Gehirn stärker auf einen negativen Stimulus als auf einen ebenso intensiven positiven Stimulus reagiert. Anders ausgedrückt: Wir lernen mehr aus Schmerz als aus Freude und erinnern uns auch leichter an schmerzvolle Erfahrungen als an erfreuliche. Weil unser Fokus von Natur aus stärker auf das Negative ausgerichtet ist im Sinne einer rechtzeitigen Gefahrenabschätzung, sind wir auch in Beziehungen davon beeinflusst.

 

Im Allgemeinen braucht es fünf positive Interaktionen des Gegenübers, um eine von mir als negativ empfundene Interaktion des Gegenübers in meiner Wahrnehmung wieder auszugleichen. Hand aufs Herz: An wie viel Gutes erinnern Sie sich bei Ihrem Mitarbeiter XY und wie schnell fällt Ihnen ein Fauxpas oder Fehler desjenigen ein? Und woran erinnern Sie sich am Ende eines Tages? An zehn Dinge, die gut gelaufen sind, oder an eine Sache, die schief ging? Fakt ist: Was wir erinnern, prägt unsere Erwartungshaltung, unsere Glaubenssätze, unsere Handlungsstrategien und Stimmungen (vgl. Hanson, 2010).

 

Was hilft, ist nach dem Guten zu suchen, es wahrzunehmen und sich davon berühren zu lassen. Klingt Ihnen zu „gefühlsduselig“? Dieses Vorgehen hat aber einen handfesten Hintergrund: Je länger wir etwas Aufmerksamkeit schenken und je stimulierender es emotional ist, desto mehr Neuronen werden aktiviert und vernetzen sich. Und das bedeutet, dass die Erinnerung an das Gute tiefer verankert wird und Ihre Haltung positiv beeinflusst (vgl. Hanson, 2010). Das unterstützt nicht nur Ihr Handeln, sondern auch z.B. Ihre Stressbewältigungsstrategien – das Glück wohnt in Ihnen, Sie machen sich unabhängiger vom Außen, was Ihre eigene Stimmung und Ihre Überzeugungen angeht.

 

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Quellen:

Hanson, R. (2013) Denken wie ein Buddha. Gelassenheit und innere Stärke durch Achtsamkeit. Irisiana, München, S. 30.

Hanson, R. (2010) Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha. Arbor Verlag, Freiburg.

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Für den Inhalt verantwortlich: Antje Heimsoeth

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