| | seit vergangener Woche werden die Themen sexualisierte Gewalt und digitale sexualisierte Gewalt in ganz Deutschland und darüber hinaus intensiv diskutiert. Den Anstoß gab Collien Fernandes, als sie mit ihren Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen an die Öffentlichkeit ging und dabei unglaublichen Mut bewies. | Der Fall rund um Collien Fernandes ist ein weiteres Beispiel für die zunehmende Gewalt gegen Frauen. Er macht einmal mehr deutlich, dass die größte Gefahr für Frauen oft im engsten Umfeld droht. Und dass die Täter meist keine »Monster« oder »Mitglieder von elitären Geheimbünden« sind. Sondern ganz normale Männer. Gleichzeitig macht der Fall erschreckend greifbar, was Deepfakes anrichten können. | Es fällt uns sehr schwer, all das zu verarbeiten. Wir sind unfassbar wütend. Und ihr seid es mit Sicherheit auch. | Aber first things first: Unsere volle Solidarität mit Collien Fernandes! Wir verneigen uns tief vor deinem Mut und deiner Stärke. Wir stehen an deiner Seite und wir sind viele! 💜 | Collien Fernandes engagiert sich schon lange für Gleichberechtigung: 2022 hatten wir das Vergnügen, mit ihr im Rahmen der »Schule gegen Sexismus« zusammenzuarbeiten. Die Aufklärungsarbeit, die sie seit so vielen Jahren zu Geschlechterklischees und digitaler Gewalt leistet, ist bewundernswert. | Noch bewundernswerter ist Fernandes’ Mut, mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit zu gehen und die strukturellen Missstände in Gesellschaft und Justiz anzuprangern – wusste sie doch, welche Reaktionen Frauen zu erwarten haben, wenn sie ihre Gewalterfahrungen publik machen. | Umso erfreuter sind wir über die zahlreichen Solidaritätsbekundungen und darüber, wie viele Menschen die Initiative von Fernandes aufgegriffen und weitergetragen haben. Fernandes’ Courage hat eine längst überfällige gesamtgesellschaftliche Debatte über sexualisierte Gewalt und digitale sexualisierte Gewalt angestoßen, deren Wellen bis in die Politik reichen: Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat endlich einen längst überfälligen Gesetzesentwurf zur Bekämpfung digitaler Gewalt finalisiert. Der Entwurf soll noch in dieser Woche in die interne Abstimmung im Kabinett gegeben werden. | Ihr Lieben, dies ist ein wichtiger Moment. Was gerade passiert ist groß und wir müssen die aktuelle Aufmerksamkeit nutzen, um echte Veränderungen ins Rollen zu bringen. | Daher haben wir hier für euch einige Tipps zusammengestellt, was ihr direkt tun könnt, um eure Wut in Tatkraft umzuwandeln. Es sind ganz unterschiedliche Vorschläge. Denn nur, wenn wir auf verschiedenen Ebenen aktiv werden, können wir die öffentliche Debatte verstetigen und unseren Forderungen Nachdruck verleihen (siehe »Petitionen«). Und weil gesellschaftliche Veränderung von allen getragen werden muss, fordern wir auch ganz speziell und ausdrücklich Männer auf, sich in diesem Kampf an unsere Seite zu stellen. | Liebe Männer: Es ist JETZT an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Gewalt von Männern gegen Frauen kann nur von Männern selbst beendet werden. Stellt euch Sexismus aktiv entgegen: Denn Sexismus und die damit verbundene Abwertung von Frauen und Mädchen sind der Boden, auf dem misogyne Gewalt gegen gedeiht. NEHMT ALL DAS NICHT MEHR HIN! Schreitet ein, wenn sich jemand in eurer Gegenwart sexistisch äußert. Sprecht über das Thema mit euren Kindern, mit euren Kollegen, mit euren Chefs. Fordert eure Arbeitgeber*innen dazu auf, gemeinsam mit der Belegschaft aktiv das Thema »Sexismus am Arbeitsplatz« zu bearbeiten. Redet über sexuellen Konsens und hinterfragt euch selbst diesbezüglich. Erlebt jemand in eurer Gegenwart Sexismus oder sexualisierte Gewalt, dann fragt: »Kann ich dich unterstützen? Brauchst du Hilfe?«. Konsumiert keine sexistischen und gewaltverherrlichenden Inhalte, auch nicht von euren Lieblings-Interpreten. Wählt Parteien, die Gewaltschutz und Sexismus-Sensibilisierung fördern. Übernehmt Verantwortung für Care-Arbeit. Bildet euch zum Thema Frauenfeindlichkeit und Sexismus. Reflektiert euer eigenes Verhalten. (Bei uns findet ihr eine Fülle an Ressourcen zum Thema, sowohl digital als auch analog.) Und leitet diesen Newsletter an eure Freunde und Kollegen weiter! Wir brauchen keine Einzelaktionen, sondern wir brauchen euch verlässlich und dauerhaft an unserer Seite.
| Liebe Alle: Informiert euch darüber, was passiert ist, lest Einordnungen, Bewertungen und Forderungen zum Thema. Wir haben weiter unten Lese-, Guck- und Hörempfehlungen für euch zusammengestellt.
Geht auf Demos, nehmt an Protestaktionen teil. Initiiert von Collien und anderen hat am Sonntag bereits eine große Demo gegen digitale sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Berlin stattgefunden: 13.000 Menschen waren da! Donnerstag (26.03.2026) findet in Hamburg um 17:30 Uhr am Rathausmarkt eine Demo statt, die wir von PINKSTINKS natürlich unterstützen. Bitte kommt alle, wenn ihr könnt! Weitere Demos in anderen Orten sind geplant.
Greift ein, wenn verharmlosend über Gewalt gegen Frauen gesprochen wird – sei es im Bekanntenkreis oder in den Medien! Ein Beispiel aus der Berichterstattung rund um den Fall Fernandes: Frauke Ludowig sprach am Sonntag in »Exclusiv Weekend« davon, »wie ein Sex-Fetisch eine Familie zerstört hat«. Viele andere Medien nutzten ähnlich verharmlosende Formulierungen. Wenn ihr so etwas mitbekommt, sprecht die betreffenden Menschen an, beschwert euch auf den Social-Media-Kanälen der Medien oder schreibt E-Mails an die Redaktionen (so wie wir an RTL).
Setzt euch für Bildung und Sensibilisierung zu Sexismus ein – an Kitas, in Schulen, am Arbeitsplatz, in eurem Umfeld. Sprecht das Thema beim Elternabend an. Fragt an der Schule aktiv nach entsprechenden Lehrmaterialien und Workshops. Fordert bei der Arbeit gezielt Weiterbildungen und Trainings zum Thema ein. Lasst euch von Expert*innen wie z.B. PINKSTINKS dazu beraten. Arbeit gegen Sexismus ist Gewaltprävention!
Teilt unsere Inhalte in eurem Umfeld: unsere Videos, unsere Texte, unsere Bildungsmaterialien. In dem vom Familienministerium geförderten Projekt »Schule gegen Sexismus« haben wir die unterschiedlichsten Formen von Alltagssexismus erklärt.
Geht mit euren Kindern und Schüler*innen ins Gespräch über Sexismus und Gewalt. Dafür eignet sich z.B. unser Kinderbuch »David und sein rosa Pony« oder das gleichnamige pädagogische Schultheaterstück für die Grundschule. Wir haben im Übrigen wieder Termine frei, schreibt für weitere Infos einfach an Jamie & Lara unter: watsonwichels@gmail.com.
Unterstützt Organisationen und Initiativen, die sich für Gewaltprävention und gegen Gewalt gegen Frauen einsetzen, wie PINKSTINKS, HateAid, die Frauenhauskoordinierung oder Feminist Law Clinic. Engagiert euch ehrenamtlich. Schließt euch im Ort zusammen, gründet selbst Initiativen, Elterngruppen oder (digitale) Stammtische zum Thema. Schreibt eure Abgeordneten zum Thema an.
Wir alle haben Talente und Fähigkeiten, die wir einbringen können. Jetzt ist der Moment. Und ganz wichtig: Glaubt Frauen. Glaubt Betroffenen. | In Solidarität und Verbundenheit Euer PINKSTINKS Team | | P.S.: Wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, von dem man selbst betroffen ist, kann das sehr herausfordernd sein. Achtet auf euch, nehmt euch Pausen. Und für alle, die gerade nicht aktiv sein können, z.B. wegen Krankheit oder Care-Arbeit oder es sich gar nicht leisten können, irgendwo irgendetwas einzufordern: Wir kämpfen für euch mit!💜 | P.P.S.: Falls ihr euch wundert, warum wir »die Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen« schreiben – das hat mit einem presserechtlichen Schreiben zu tun, das von Christian Ulmens Medienanwalt kurz nach Veröffentlichung der »Spiegel«-Recherche verschickt wurde. (Übrigens: Dieselbe Kanzlei vertritt auch Till Lindemann von Rammstein und Luke Mockridge.) Wir haben unten die Recherche verlinkt, außerdem ein Interview, das Collien Fernandes den »Tagesthemen« gegeben hat. | Ihr seid selbst von digitaler Gewalt betroffen? Oder möchtet Menschen in eurem Umfeld unterstützen, die davon betroffen sind? In unserer Datenbank findet ihr hilfreiche Anlaufstellen zum Thema. | |
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