Subject: Nie wieder sprachlos bei Sexismus-Klassikern

Hol dir schlagfertige Konter direkt aufs Handy



Liebe Freund*innen,

kennt ihr das? Ein Satz fällt. Beim Elternabend, in der Pausenküche, bei der Familienfeier. Alle nicken so halb. Oder gucken zumindest sehr beschäftigt in ihren Nudelsalat. Und euer Bauch grummelt leise: »Moment. Das stimmt so nicht.« Aber ihr sagt nichts. Denn ärgerlicherweise fehlen uns allen genau in solchen Situationen oft die Worte. Nicht, weil wir nichts dazu sagen wollen, sondern weil uns entsprechende Fakten und Argumente mit frustrierender Verlässlichkeit frühestens 3 Stunden später einfallen. Beim Zähneputzen zum Beispiel. Oder unter der Dusche, wo wir mit schäumendem Haar die beste Gegenrede unseres Lebens halten. Leider ohne Publikum. Und deshalb freuen wir uns, euch heute endlich erzählen zu können: Dagegen haben wir was! Nämlich ein funkelnagelneues Buch, das Stammtischparolen wirksam mit Zahlen, Fakten und Gesprächshilfen entkräftet.

Wir freuen uns riesig, dass PINKSTINKS mit einem Kapitel zum Thema Geschlechtergerechtigkeit in diesem Buch vertreten ist! Es ist das Herzstück der Kampagne »Das stimmt so nicht!« von Mein Grundeinkommen, die heute an den Start geht – ein Gemeinschaftsprojekt von zehn fantastischen Organisationen, die zu unterschiedlichen Themen arbeiten, aber alle dasselbe wollen: Hass, Desinformation und rechten Erzählungen nicht den Raum überlassen.

Gemeinsam haben wir Sätze gesammelt, die viele kennen: verkürzte Behauptungen, verdrehte Fakten, rechte Narrative und all die Sprüche, bei denen unsere Bäuche grummeln. Das Tolle: Jeder dieser Sätze wird von einer Organisation zerlegt, die sich mit dem jeweiligen Thema wirklich auskennt – mit Zahlen und Quellenangaben. Und die Texte sind so formuliert, dass ihr sie direkt für Gespräche nutzen könnt! Es geht um Antirassismus (Amadeu Antonio Stiftung), digitale Gewalt (HateAid), Geschlechtergerechtigkeit (PINKSTINKS), Flucht und Migration (Sea-Watch), Klimakrise (Fridays for Future) und vieles, vieles mehr. Kurz gesagt: ein hilfreiches Buch mit viel gebündeltem Wissen.

Wir sind realistisch: Auch unser Buch wird natürlich nicht jede schiefe Aussage geraderücken können. Und nicht immer gelingt Widerspruch. Manchmal fehlt die Kraft, manchmal fühlt sich die Situation nicht sicher genug an, manchmal ist es einfach nicht der richtige Moment. Auch das ist feministisch: die eigene Kraft ernst nehmen. Aber wenn ihr widersprechen könnt und wollt, dann habt ihr künftig etwas in der Hand. Oder in der Tasche. Oder als Download auf dem Handy.

Wer jetzt denkt »Okay, muss ich haben!«: Zum Kampagnenstart warten 20.000 gedruckte Exemplare darauf, von euch bestellt und zukünftig aus Jackentaschen, von Schreibtischen und aus Küchenschubladen hervorgezogen zu werden. Über das Online-Angebot der Kampagne »Das stimmt so nicht!« könnt ihr das Buch ab sofort als Gratis-PDF, als Gratis-E-Book oder gedrucktes Buch (1 Euro) bestellen.

Lest rein, schickt es weiter, druckt es aus. Oder verschenkt es an Menschen, denen auch erst beim Zähneputzen die passenden Konter einfallen.💜

Herzliche Grüße
Euer PINKSTINKS Team

PS: Frauen und ihr Schaffen werden in der Literaturszene systematisch verdrängt, verrissen und vergessen. Und das, obwohl der Großteil der Bücherwürmer*innen weiblich ist. Woher der Sexismus im Literaturbetrieb kommt und wieso es Zeit ist, endlich etwas zu ändern, lest ihr in Nils Pickerts’ Text auf pinkstinks.de: »Uninteressante Frauen«

PPS: Die Opferhilfe Hamburg feiert Anfang Juni ihren 40. Geburtstag! 40!!! Wir gratulieren aus tiefstem Herzen und verneigen uns vor der wichtigen Arbeit, die die Kolleg*innen seit vier Jahrzehnten leisten. Und wir freuen uns sehr, dass wir zu den Geburtstagsfeierlichkeiten eingeladen sind und PINKSTINKS Referent*in Miriam Scheibe sogar einen von zwei Gastvorträgen halten darf!

Gemeinsam stark: Schritte gegen rechts

Tipp No. 16: So könnt ihr euch einbringen, wenn ihr nicht in Sachsen-Anhalt lebt

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist Anfang September. So viele, viele tolle Menschen engagieren sich gerade rund um die Uhr, um ein hohes Ergebnis der AfD zu verhindern. Wir haben ein paar Möglichkeiten zusammengetragen, wie ihr euch von außerhalb einbringen könnt.

  • Mal vorbeikommen! Macht einen Wochenend-Ausflug oder nehmt euch Urlaub, um als Teilnehmende Veranstaltungen zu besuchen oder als Ehrenamtliche zu unterstützen. Es ist gerade Pride Month: Besucht doch zum Beispiel einen CSD in einer kleineren Stadt, dieses Jahr werden sehr viele stattfinden. (Hier findet ihr eine Auflistung der Orte und Termine und auch Kontaktdaten). Gerade im ländlichen Raum wird jede Unterstützung gebraucht! Die heiße Phase für die Wahl hat jetzt begonnen. 

  • Oder wenn ihr Autor*innen oder andere Künstler*innen seid: Soli-Auftritte anbieten. Und wenn ihr Künstler*innen kennt: Fragt sie, ob sie zu einem Pro-Bono-Auftritt bereit wären und vermittelt sie dann entsprechend an Organisationen in ländlichen Regionen – zum Beispiel an das soziokulturelle Zentrum in Halberstadt, Zora e.V

  • Einbringen aus der Ferne könnt ihr euch natürlich auch.Spenden und Fördermitgliedschaften werden überall gebraucht. 

  • Was ebenfalls unterstützt: Wenn ihr die Inhalte der örtlichen Vereine und Organisationen teilt – auf Social Media, im Familienchat, in der Freund*innengruppe. 

  • In beiden Fällen hilft es, wenn ihr ein paar liebe Worte dazu schreibt. Also, eine Spende ist toll, aber noch toller ist eine Spende plus einer wertschätzenden Nachricht: »Eure Arbeit ist so wichtig, danke!! ♥️« Das gleiche gilt beim Teilen von Veranstaltungen oder Inhalten: Schreibt einen Kommentar dazu, schickt eine Mail, zum Beispiel »Habe gerade eure wichtige Veranstaltung mit meinen Kolleg*innen geteilt. Danke für eure großartige Arbeit!«

  • Und wenn ihr mehr Ressourcen habt: Nehmt Kontakt auf mit Organisationen vor Ort, fragt sie, was sie brauchen und bietet eure Fähigkeiten remote an. Hier ist wichtig: Nichts überstülpen wollen, die Aktivist*innen und Ehrenamtlichen wissen selbst am besten, was sie brauchen.

  • Lasst uns gemeinsam den Fokus der Aufmerksamkeit verschieben: Statt über die AfD zu reden, sollten wir den Aktivist*innen, den Künstler*innen, den Bündnissen, den Vereinen und auch bestimmten Kommunalpolitiker*innen Sichtbarkeit geben. Lasst uns über die reden, die gerade die krasse Arbeit vor Ort machen!

  • Und zum Schluss noch ein Tipp: Informiert euch nicht nur über überregionale Medien, sondern auch über journalistische Angebote vor Ort. Ein guter Einstieg ist da der Podcast »Kipppunkt Ost« 

💜 Den nächsten Tipp gibt's in einem der nächsten Newsletter. Danke für euer Engagement! 💜

Was wir euch außerdem ans Herz legen möchten:

CN: sexualisierte Gewalt

Claudia Wuttke hat etwas erlebt, das an den Pelicot-Fall erinnert. Und wäre das Erlebte nicht schon grausam genug: In ihrem Fall versagt der deutsche Rechtsstaat. Denn eine Gesetzesänderung von 2016 hat dazu geführt, dass diese Art der Vergewaltigung schon nach fünf Jahren verjährt. WHAT THE ACTUAL FUCK?!?!? Die deutsche Politik ist ja ohnehin nicht für guten Opferschutz und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt (wir sagen nur: Istanbul Konvention!) bekannt, aber das ist wirklich … Wir sind sprachlos. Volle Solidarität mit Claudia Wuttke! Wir stehen fest an ihrer Seite und unterstützen ihre wichtigen Forderungen.
»Der Spiegel« (€) hat den Fall recherchiert, eine gute Einordnung gibt’s auch bei »euronews«. Der »Brigitte« hat Claudia Wuttke ein Interview gegeben.

Diese gute Nachricht wollten wir euch nicht vorenthalten: Frankreich hat endlich ein seit mehreren Jahren versprochenes Gesetz verabschiedet, durch das junge Französinnen kostenlos Periodenprodukte bekommen. Davon können wir in Deutschland derzeit nur träumen. Die ganze Meldung.

CN: sexualisierte Gewalt

Eine neue Studie im Auftrag des Bündnis »Gemeinsam gegen Sexismus« (dem PINKSTINKS auch angehört) zeigt: 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Deutschland und sogar 81 Prozent der trans*, inter und nicht-binären Personen haben im Laufe ihres Berufslebens Sexismus am Arbeitsplatz erlebt. Was die Studie außerdem zeigt: Die meisten Übergriffe werden nicht gemeldet, nur ganz selten werden formelle Beschwerdewege genutzt. Es bleibt also noch viel zu tun! Die ganze Studie gibt’s hier als PDF, außerdem berichtet »Das Handelsblatt« darüber.

Podcast-Tipp

Technologie ist nie neutral – und Kathe, Emma und Carla beweisen das immer wieder aufs Neue. In ihrem Podcast »Queere FeTe«  werfen sie einen queerfeministisch-intersektionalen Blick auf digitale Teilhabe, Datenschutz und Machtstrukturen in der Tech-Welt. Politisch, praktisch, zugänglich – und nebenbei lernt man wirklich cute Menschen kennen. Einfach hier reinhören.

Fortbildungstipp
Was wir euch besonders ans Herz legen möchten, ist das neu gegründete »Institut für Digitale Selbstverteidigung«. Hier lernt ihr in geschützten, achtsam gestalteten Rahmen, euch online besser zu orientieren, Worte für eure Erfahrungen zu finden und euch mit technischem Know-how und sozialen Skills zu stärken, ganz praktisch und zum Ausprobieren. Ob Workshops ab 14, individuelle Fortbildungen oder Formate wie »Gossipkompetenz«: Digitale Selbstverteidigung wird hier verständlich, solidarisch und Schritt für Schritt machbar.

Lesetipp

Die US-Soziologin Cynthia Miller-Idriss ist eine der führenden Extremismusforscher*innen. »an.schläge« hat mit ihr ein lesenswertes Interview geführt: Über den Zusammenhang von rechtsextremer Politik und Frauenhass, warum Misogynie die Demokratie gefährdet und wie es sich anfühlt, in einem Land zu leben, in dem das Frauenwahlrecht plötzlich offen in Frage gestellt wird. »Die größte Gefahr ist das Schweigen«

Veranstaltungstipp

Menstruationsblut ist das einzige Blut, das fließt, ohne dass jemand verletzt wird. Und doch ist es ein Tabu. Die Ausstellung »Blut ohne Gewalt« bringt das Tabu in eine Galerie. 47 Künstlerinnen präsentieren Arbeiten zur Menstruation und Körperpolitik und öffnen den Raum für Stärke und Widerstand – initiiert vom Band-Kollektiv Menstruationsmassaker. Vom 13. bis 19. Juni in Berlin in der Galerie Newman

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