Subject: So machen wir Jugendliche stark

Gegen Sexismus, für Demokratie

Liebe Freund*innen,


und schon wieder müssen wir mit euch über Kürzungen reden. 😭 Dieses Mal: im Kinder- und Jugendbereich. Nicht nur das Land Berlin streicht radikal zusammen. Bundesweit sind viele Kommunen zu knapp bei Kasse, um wichtige Angebote aufrechterhalten zu können. Die Bundesregierung sorgt durch die Ankündigungen von Bundesfamilienministerin Karin Prien für Unsicherheit (wie in unserer Politikbeobachter*in-Newsletter-Ausgabe von voriger Woche beschrieben). Zusätzlich stellt die AfD in Kommunalparlamenten Förderungen in Frage und macht über das Meldeportal Druck auf Lehrkräfte. Was bleibt da auf der Strecke? Grundlegende Angebote für Kinder und Jugendliche! 😡 Dabei wissen wir als Gesellschaft – sogar wissenschaftlich belegt – seit vielen Jahren: Gewaltprävention und Demokratiebildung sind vor allem dann wirksam und nachhaltig, wenn sie schon früh passieren.

Wir von PINKSTINKS setzen mit einem neuen Angebot genau da an. Im vergangenen Herbst haben wir neue Workshops für Grundschule bis 10. Klasse entwickelt, die auf die aktuellen Herausforderungen zugeschnitten sind. In den Workshops machen wir Kinder und Jugendliche online und offline stark, damit sie sich für sich selbst und für andere einsetzen können. Damit sie sich selbstbewusst gegen schädliche Körperideale wehren können. Damit sie wissen, was sie Hass, Hetze, Sexismus und Vorurteilen entgegensetzen können, wie solidarisches Handeln klappt und wie gemeinsam und gewaltfrei Probleme gelöst werden können. All das sind Voraussetzungen für ein diskriminierungsfreies, selbstwirksames, demokratisches Miteinander, die die Schüler*innen in unseren Workshops gemeinsam erarbeiten.

Mit diesen Workshops sind wir so viel an Schulen unterwegs wie noch nie, bekommen begeisterte Rückmeldung – aber wir können bei weitem nicht den Bedarf decken. Denn: Um den Kürzungen in der Demokratie-Bildung und in der Gewaltprävention bundesweit entgegenzuwirken, reichen diese Präsenz-Workshops nicht aus. Eigentlich wollen wir natürlich alle Schüler*innen in ganz Deutschland damit erreichen! Und wir hören auch  immer wieder von Lehrkräften: Wir brauchen dringend bestärkende Inhalte für Kinder und Jugendliche in digitalen Formaten, die niedrigschwellig eingesetzt werden können. Genau deswegen möchten wir Workshops digitalisieren und dadurch Formate schaffen, die auch ohne uns in der Klasse stattfinden können. Damit alle Lehrkräfte bundesweit unsere digitalen Pakete nutzen können, um selbstständig im Unterricht alle Inhalte oder Teile davon einsetzen zu können. Damit Demokratie-Arbeit und Gewaltprävention endlich Teil des Unterrichts werden können, obwohl sie in den von den Behörden vorgeschriebenen Bildungsplänen zu kurz kommen. Damit Jugendliche erreicht werden, obwohl überall Mittel gekürzt werden.

Solche Angebote sind besonders wichtig in Zeiten wie diesen, in denen gekürzt und gespart wird, obwohl der Rechtsextremismus so stark geworden ist, dass er die Demokratie gefährdet, obwohl antifeministische und frauen- und queerfeindliche Forderungen in der Politik lauter werden, obwohl immer mehr Frauen, trans* Personen, queere Menschen, jüdische und migrantisierte Menschen gewalttätig angegriffen werden. Doch um diese Digitalisierung umzusetzen, fehlt uns bisher das Geld. Deswegen brauchen wir eure Unterstützung: Spendet uns, damit wir die dringend benötigten Workshops digitalisieren und damit ein Hundertfaches an Schüler*innen erreichen können!

Ihr Lieben, lasst uns das gemeinsam angehen: Kinder und Jugendliche stark machen, damit sie sich füreinander und für die Demokratie einsetzen. Seid ihr dabei?

Herzliche Grüße!
Euer PINKSTINKS Team

PS: Wer frauenfeindliche Inhalte liest, guckt oder hört, wird – Überraschung! – frauenfeindlich. Eine Studie hat Ende März bewiesen, was die meisten von uns längst vermuteten, und auch gezeigt, dass das besonders Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betrifft. (Mehr zur Studie weiter unten.) Praktischerweise haben wir von PINKSTINKS etwas dagegen: Tipps für Bücher, Serien, Filme und Podcasts, garantiert frei von Frauenfeindlichkeit! Gebündelt auf einem neuen Poster, das ihr hier bei uns im Shop kaufen könnt! Per QR-Code können dann die jeweiligen Empfehlungen, unsere Anlaufstellen-Datenbank, unsere »Schule gegen Sexismus«-Videos und unser Glossar auf unserer Website direkt erreicht werden. Das Poster eignet sich ideal für Klassenräume, Jugendzentren, Sportvereine und Ärzt*inpraxen.

PPS: Leider gibt es ein Reaktionsmuster, wenn sexualisierte Gewalt gegen Frauen bekannt wird: Viele Männer sind erst schockiert, spielen dann die Vorfälle runter, verleugnen sie oder erklären, das gehe sie nichts an, sie seien schließlich anders. Beim nächsten Fall beginnt das Spiel von vorn, hat Nils Pickert beobachtet und schreibt darüber auf pinkstinks.de: »Schockierte Männer«

Schulen für Workshops gesucht!

Durch eine kleine Förderung haben wir die Möglichkeit, für ein paar 6. bis 10. Klassen im Norden und im Osten Deutschlands die Workshops »Körper, Selbstwert & Empowerment« und »Online stark: Grenzen setzen, Hilfe finden« anzubieten. Die Workshops sind kostenfrei, es fallen nur Fahrtkosten an. Wenn ihr Interesse habt, schreibt uns doch bitte eine kurze Nachricht an antonia@pinkstinks.de mit den Infos: welcher Workshop, welche Klasse, welcher Ort und ein Terminvorschlag. Weitere Informationen findet ihr auf unserer Workshop-Website.


Wenn ihr Menschen in eurem Umfeld kennt, für die das interessant sein könnte, leitet denen doch sehr gerne unseren Newsletter weiter! 

Gemeinsam stark: Schritte gegen rechts

Tipp No. 15: Initiativen und Aktivist*innen digital unterstützen

Rechte Gruppierungen greifen digital oft gezielt Orte oder Läden an, die für Vielfalt und Offenheit stehen. Zum Beispiel fluten sie Profile auf Bewertungsportalen oder auf Social Media mit schlechten Bewertungen. Schreibt eine ehrliche, positive Rezension für das interkulturelle Café, den queeren Buchladen oder das feministische Zentrum in deiner Nähe. Solche Sterne-Bewertungen zeigen den Inhaber*innen, dass sie Rückendeckung haben.

Soziale Netzwerke lieben Wut und Hetze. Da Algorithmen auf Verweildauer und Interaktion optimiert sind, landen hasserfüllte oder extrem spaltende Posts oft oben im Feed. Wer wütend ist, kommentiert mehr, was diese Posts für die Plattformen »wertvoll« macht. Ihr könnt die verzerrende Logik der Konzerne zwar nicht im Alleingang kippen – doch ihr könnt aktiv gegensteuern. Jedes Mal, wenn ihr Beiträge von demokratischen Initiativen oder marginalisierten Personen speichert, teilt oder kommentiert, erhöht ihr deren Relevanz. Besonders das Weiterleiten in Storys oder per Nachricht sendet ein starkes Signal an die Plattform. Das System stuft den Beitrag als wichtig ein und zeigt ihn mehr Menschen an.

 

💜 Den nächsten Tipp gibt's in einem der nächsten Newsletter. Danke für euer Engagement! 💜

Was wir euch außerdem ans Herz legen möchten:

Und während dieser Newsletter entsteht, werden noch weitere Kürzungspläne bekannt: Knapp 9 Milliarden sollen bei der Behinderten-, Kinder- und Jugendhilfe gespart werden. (Die Nachricht gibt's hier.) Es ist wirklich kaum zu glauben, wie die Merz-Regierung gerade den Sozialstaat aushöhlt. Empfehlen können wir euch dazu den »taz«-Kommentar »Kinderarmut durch staatliches Handeln« und den Mareice Kaisers Newsletter-Text »Wo sind die Utopien«.

Wie oben im PS schon angesprochen: Eine Studie zeigt, dass der Konsum von frauenfeindlichen Medien-Inhalten zu frauenfeindlichen Einstellungen führt. Besonders empfänglich dafür sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. (Mehr zur Studie hier.) Was folgt daraus? Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene brauchen Angebote, die diskriminierungsfrei sind! Bücher, Serien, Filme, Podcasts und Social-Media-Accounts, die vielfältig erzählen und unterschiedliche Lebenswelten sichtbar machen – ganz vorurteilsfrei und ohne Abwertung. Eine tolle Auswahl findet ihr auf den PINKSTINKS-Empfehlungsseiten!

Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in der Fußballbundesliga der Männer, und zwar bei 1. FC Union Berlin. Selbst im Männerfußball tut sich etwas. Yay! Leider hagelte es – überhaupt nicht überraschend – sexistische Kommentare und Beschimpfungen im Netz. Alexandra Zykunov hat dazu einen Kommentar beim »Spiegel« geschrieben: »Alle Männer bei Union Berlin sollten diese Hassnachrichten lesen!«. Der Text ist nur mit Abo lesbar, aber sie hat die wichtigsten Absätze daraus auch bei Instagram zum Nachlesen veröffentlicht.

Wer schämt sich – und wer wird beschämt? Wer schämt sich nicht (genug)? Wann und wem ist Scham nützlich und warum sollten wir uns von Scham befreien? Diesen Fragen will die Aktionskunst-Gruppe SchamLos auf den Grund gehen und dafür braucht sie eure Unterstützung: Berichtet von euren Gedanken und Erfahrungen! Ihr könnt ganz einfach über diesen Link eine Sprach- oder Textnachricht schicken. Mehr Infos über die Gruppe gibt’s auf Instagram: @scham_los

Das Universitätsklinikum Freiburg untersucht Diskriminierung aufgrund von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung bei zahnärztlichen Behandlungen. So wollen die Wissenschaftler*innen Probleme sichtbar machen und die Versorgung verbessern. Für die Studie werden noch Teilnehmende gesucht, unabhängig von persönlichen Erfahrungen. Die Umfrage dauert etwa 20 Minuten, hier könnt ihr direkt anonym teilnehmen.

Veranstaltungstipp

Zum Glück gibt es sie: digitale Angebote für junge Menschen, die Gleichstellung und Queerfreundlichkeit stärken. Doch wie können sie im Dickicht von Manosphere und Trad-Wives-Inhalten ihre Zielgruppe erreichen? Darum geht’s am Fachtag Macht & Geschlecht zum Thema »Hass, Hype und Haltung: Praxis geschlechtersensibler Medienarbeit«, der am 12. Mai 2026 in Köln stattfindet. Weitere Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt’s hier.

CN: geschlechtsspezifische Gewalt, Femizide

Lesetipp I

Die Juristinnen Sophie Böhler und Catharina Conrad beleuchten in ihrem Artikel in »STREIT – die feministische Rechtszeitschrift« den deutschen Gesetzentwurf zur Fußfessel bei Partnerschaftsgewalt kritisch beleuchtet. Die Autorinnen zeigen außerdem die wichtigen Unterschiede dazu auf, wie das Vorbild Spanien mit den Problemen Partnerschaftsgewalt und Femizide umgeht. (Kleiner Spoiler: Die Fußfessel ist nur ein kleiner Teil des spanischen Erfolgsgeheimnisses.) »Die elektronische Aufenthaltsüberwachung – die langersehnte Lösung?«

Lesetipp II

Ausgelöst durch sexistische Buchbesprechungen in einer Literatursendung in der ARD ist eine längst fällige Diskussion über Literaturkritik entstanden. Die feministische Vordenkerin und Autorin Antje Schrupp hat dazu einen hilfreichen Text geschrieben: »Gebrauchsanweisung für Männer, die Bücher von Frauen kritisieren wollen«

TV-Tipp 
Eine ARD-Doku beleuchtet die Frauengruppe Lukreta, die im Netz und auf Social Media vermeintlich harmlos und unpolitisch Lifestyle-Inhalte veröffentlicht, aber eigentlich politische Botschaften der extremen Rechten verbreitet. Die TV-Dokumentation zeigt den Einfluss der Frauen und wie gut sie innerhalb Europas vernetzt sind und ist in der ARD-Mediathek aufrufbar: »Heimat. Häkeln. Hetze. Undercover unter rechtsextremen Frauen.« 

Buchtipp
Ein spannender Roman für Kinder und Jugendliche ab 12, der die Themen männliche Vorbilder, toxische Männlichkeit und Verlockung von rechts für Jugendliche packend und anschaulich erzählt: Das gerade erschienene Buch »Faustschlag von rechts« von Stefanie Kaluza ist ein super Geschenk für eure Kinder, Freund*innen-Kinder, Geschwister-Kinder, Nachbar*innen-Kinder oder Kindes-Kinder. Und natürlich auch als Schullektüre hervorragend geeignet. Gibt’s beim Karibu-Verlag.

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