| | UN-Verhandlungen zum Plastikabkommen gescheitert
Das Treffen in Genf in der Schweiz mit Vertretern aus mehr als 180 Staaten ist am Freitag, den 15. August 2025, ohne eine Einigung über ein neues Plastikabkommen beendet worden. Moritz Jäger-Roschko, Plastikexperte von Greenpeace und Vertreter des Bündnisses Exit Plastik, hofft, dass es eine weitere Verhandlungsrunde geben wird, die den Weg für ein ambitioniertes Plastikabkommen ebnet. „Ein Abkommen wäre eine historische Chance, Menschen, Umwelt und Klima vor der Plastikkrise zu schützen. Deutschland und die EU müssen mutig sein, statt sich auf einen Kompromiss zu fixieren. Die Profite der fossilen Industrie dürfen nicht länger mehr wert sein als der Planet, auf dem wir leben“, heißt es in der Pressemitteilung der Organisation.
Nach zehn Verhandlungstagen ist in der Nacht zum Freitag ein Kompromisstext vorgelegt worden, der immer noch mehr als 100 zu klärende Punkte enthielt, die in der informellen Sitzung nicht mehr geklärt werden konnten. Die Verhandlungen sollte eigentlich bereits am Donnerstag beendet werden und wurde somit um einen Tag verlängert. Ohne Erfolg – die Meinungen der Länder liegen zu weit auseinander. Im Wesentlichen sind es zwei Lager, die sich unversöhnlich gegenüberstehen: auf der einen Seite vor allem erdölproduzierende Staaten wie Saudi-Arabien, Kuwait und Russland, auf der anderen Seite Vertreter etwa aus der EU oder Lateinamerika, zusammen mit Umweltschützern.
Viele Länder, wie Frankreich und Kuba, sind enttäuscht über den Ausgang der Beratungen. Auch in Deutschland will man diese Niederlage nicht hinnehmen. So fordert das Bundesumweltministerium weitere Verhandlungen: „Augenscheinlich braucht es mehr Zeit, um zum Ziel zu gelangen. Daher lohnt es sich, weiter zu verhandeln“, erklärte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth. Die Verhandlungen in Genf hätten „nicht das Abkommen gebracht, das wir brauchen, um Plastikverschmutzung weltweit einzudämmen“. Das sei „enttäuschend“, heißt es in einer Pressemitteilung der Nachrichtenagentur AFP. | | | Exit Plastik: Stellungnahme zur ANSES-Studie über Mikroplastik in Getränkebehältern
Die französische Lebensmittelbehörde ANSES hat am 20. Juni 2025 eine Studie veröffentlicht, deren Titel bereits zu einem kommunikativen Schaden geführt hat. Denn übersetzt hieß es zunächst: Getränke in Glasflaschen enthalten mehr Mikroplastik als in anderen Behältern. Wie das in der heutigen Zeit so ist, hat sich diese falsche Botschaft schnell über soziale Netzwerke und andere Medien verbreitet. Auch wenn der Titel mittlerweile korrigiert wurde und übersetzt jetzt lautet: Die Verschlüsse von Glasflaschen verunreinigen Getränke mit Mikroplastik, ist es schwierig, die Fehlinterpretation der Studie wieder aus den Köpfen der Leute zu streichen.
Um es klar zu sagen: Es geht um die Verschlüsse, nicht um die Glasflaschen selbst. Genauer gesagt um Kunststoffbestandteile in den Verschlüssen. Denn Plastik bleibt die einzige Quelle für Mikroplastik.
Wir appellieren an Medien, Behörden und Unternehmen, bitte faktenbasiert, transparent und verantwortungsvoll zu kommunizieren, damit Verbraucher*innen fundierte Entscheidungen treffen können – und nur so kann der dringend notwendige Wandel hin zu plastikfreien, gesundheitlich unbedenklichen Verpackungslösungen gelingen. Wir sind weiterhin der Meinung: Glas statt Plastik. Aber Wasser kommt ohnehin am besten verpackungsfrei aus der Leitung. Für eine plastikfreie Zukunft. Für Gesundheit. Für Klarheit.
Die ganze Stellungnahme könnt ihr hier lesen.
| | | Düsseldorf beschließt Zero-Waste-City-Konzept
Düsseldorf hat auf dem Weg, eine Zero-Waste-Stadt zu werden, ein Zero-Waste-Konzept fertiggestellt und ohne Kürzungen durch alle Fraktionen beschlossen. Mit der Vorlage eines umfassenden Konzepts, das am 16. Juni 2025 im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen eingebracht wurde, hat die Stadt ein klares Signal gesetzt: Abfälle sollen reduziert und Ressourcen geschont werden, sodass die Stadtgesellschaft wirtschaftlich und ökologisch langfristig davon profitiert. Das Konzept ist das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses, der 2021 mit einem Auftrag des Ausschusses begann. Erarbeitet wurde es gemeinsam mit den Beratungsfirmen INFA GmbH und einsfünf, die auch die Neuordnung der Abfallwirtschaft begleitet haben.
Besonders hervorzuheben ist die aktive Einbindung der Öffentlichkeit. Im Sommer 2023 fanden drei Workshops mit rund 135 Teilnehmenden aus Bevölkerung, Verbänden und Gewerbe statt. Dabei wurden etwa 120 Maßnahmen vorgeschlagen und diskutiert, von denen 22 in das Konzept aufgenommen wurden.
Die Ziele sind ambitioniert: Bis 2035 soll die Restmüllmenge pro Einwohner*in und Jahr von derzeit 182 Kilogramm auf unter 100 Kilogramm sinken. Gleichzeitig will die Stadt das Gesamtaufkommen an Siedlungsabfällen um 15 Prozent reduzieren und die Menge an organischen Abfällen im Restmüll halbieren. Auch die Getrennthaltungsquote soll deutlich steigen – von knapp 40 auf über 60 Prozent.
Einige Maßnahmen sind bereits umgesetzt worden. Seit dem 1. April 2025 werden Papier- und Biotonnen wöchentlich geleert. Bioabfälle werden teilweise vergärt, um Biogas zu gewinnen, und Mineralien aus Straßenkehricht werden separiert und verwertet. Besonders wirkungsvoll ist die neue Mehrwegpflicht für Veranstaltungen, die jährlich bis zu 20 Millionen Einwegbecher einsparen dürfte. Darüber hinaus prüft die Verwaltung aktuell weitere Schritte, etwa die Unterstützung der Lebensmittelrettung, den Einsatz von Wertstoffmobilen und die Etablierung smarter Technologien. Zur Koordination der vielfältigen Maßnahmen ist außerdem die Einrichtung eines Zero-Waste-Amts vorgesehen. Über die Fortschritte soll künftig jährlich berichtet werden.
Ein Blick auf andere Städte zeigt, dass Düsseldorf eigene Schwerpunkte setzt. Während München mit einer Zero-Waste-Fachstelle bereits über 100 Maßnahmen koordiniert und Kiel als erste zertifizierte Zero-Waste-Stadt in Deutschland durch frühe Initiativen und intensive Bürgerbeteiligung hervorsticht, legt Düsseldorf besonderen Wert auf innovative Ansätze wie das Urban Mining – also die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Abfallströmen, um die langfristige wirtschaftliche Versorgungssicherheit zu stärken.
Mehr Informationen zum Düsseldorfer Konzept gibt es bei der Fachstelle Zero Waste der Stadt Düsseldorf. | | | Zero Waste Europe: Gemeinschaftliche Strategien für eine nachhaltige Welt
Um eine europaweite Bewegung zu beleben, braucht es gemeinsame Ziele und Strategien. Die europäische Zero-Waste-Community legt diese alle fünf Jahre im Zero Waste Europe Strategic Framework fest. Das neue Framework für 2025–2030 entstand in einer politisch unsicheren Zeit und angesichts ständig geschürter Ängste vor Veränderungen, doch die Vision bleibt unerschütterlich. Anfang der 2000er-Jahre begann die Bewegung mit dem Ziel, die Deponierung von Abfällen in Europa zu beenden. In den folgenden Jahren ging es darum, Politik und Gesellschaft von der Verbrennung hin zu Recycling und Wiederverwendung zu bewegen. Für die kommenden fünf Jahre liegt der Fokus nun auf dem obersten Gebot der Abfallhierarchie: Rethink! Das bedeutet, die Debatte von der Abfallentsorgung auf den strategischen Einsatz von Ressourcen zu lenken. Dabei stehen sechs strategische Ziele (SG – Strategic Goals) im Mittelpunkt:
• SG1: Förderung der politischen Debatte über den strategischen Materialeinsatz. • SG2: Die Gesundheit und das Wohlergehen von Gemeinschaften in den Mittelpunkt von Zero-Waste-Lösungen stellen. • SG3: Sicherung der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft. • SG4: Städte und Unternehmen als Vorreiter für Wiederverwendung und Prävention stärken. • SG5: Stärkung des Netzwerks und der Zero-Waste-Bewegung. • SG6: Kultivierung einer zukunftssicheren und florierenden Organisation mit einer klaren, starken Stimme.
Mehr dazu auf unserer Homepage. | |
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