Betreff: Lohnt es sich überhaupt noch in Emerging-Markets-ETFs zu investieren?

Lohnt es sich überhaupt noch in einen Emerging-Markets-ETF zu investieren?
Hallo Friend,

die vergangenen 3,5 Wochen waren nur schwer auszuhalten. Der russische Angriffs-Krieg in der Ukraine bedeutet eine absolute Zäsur in der Weltpolitik und hat einen Einfluss auf so viele Bereiche - natürlich auch hier in Deutschland. 

Am schlimmsten ist das Ganze aber für die ukrainische Bevölkerung, die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und seiner Armee im völligen Größenwahn angegriffen wird. Das soll heute aber nicht das Thema in einem Finanz-Newsletter sein, denn wir lesen/hören/sehen ja momentan nichts anderes als diese furchtbaren Nachrichten. Ausblenden lässt es sich aber auch beim Thema Finanzen nicht, denn die geopolitischen Risiken nehmen immer mehr zu. Natürlich hat das einen Einfluss auf die weltweiten Indizes.

Dabei halten sich die weltweiten Börsen aber noch erstaunlich gut. Unter anderem liegt es daran, dass die russischen Aktien nur einen minimalen Anteil in den Indizes ausgemacht haben. Mittlerweile wurden sie von MSCI und FTSE aus allen großen Indizes rausgenommen. Mit 3,3 % war der Anteil Russlands aber vergleichsweise gering im Emerging-Markets-Index.

Das Risiko mit dem Emerging Markets ETF
Jetzt muss man sich aber mal die Struktur der Emerging Markets-ETFs anschauen und daraus dann ableiten, was noch kommen kann. Knapp 32 % bestehen aus chinesischen Aktien. Danach folgt mit 16 % Taiwan. Indien und Südkorea sind mit jeweils 12 % vertreten. Alle anderen Länder machen mit 5 % und weniger nicht so viel aus. 

Auf einen Blick erkennt man, dass der Emerging Markets ETF sehr unausgewogen ist. Das Risiko des Index mit dem China- und Taiwan-Anteil ist mit 48 (!!!) Prozent ziemlich hoch.

Und China wird ganz genau hingeschaut haben, wie die Russen in die Ukraine einmarschiert sind und welche Fehler sie dabei gemacht haben. Denn der chinesische Präsident Xi Jinping will Taiwan unbedingt in China eingliedern und hat dem kleinen Land das Existenzrecht als Staat abgesprochen.  

Was aber passiert, wenn Taiwan tatsächlich angegriffen wird. Mischen sich die USA in den Konflikt ein? Schmeißt MSCI dann auch die China-Aktien aus dem Index? Fragen über Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt keiner beantworten kann.

Die Probleme mit den China-Aktien

Mit den ganzen Halbleiter-Herstellern spielt Taiwan jedoch in der Weltwirtschaft eine bedeutende Rolle. Allein der Anteil von Taiwan Semiconductors (TSMC) macht 7 % vom Index aus. Das ist mittlerweile der größte Wert im Index. Auch das wird China erkannt haben. 

Die eigenen Märkte sind aufgrund der politischen Einmisch-Taktik in Unternehmensbelange (Tencent, New Oriental, Alibaba etc.) in den letzten 12 Monaten um bis zu 60 % eingebrochen, wie der Nasdaq Golden Dragon China Index. Darin enthalten sind alle an den amerikanischen Börsen gelisteten ADRs chinesischer Werte.

Zu dem Sturz von 30 % innerhalb weniger Tage kam es, weil es immer mehr Gerüchte gab, dass alle diese Werte von den US-Börsen genommen werden sollen. China beschwichtigte und dann ging es wieder steil nach oben. Dazu kam dann noch die geplante Rekordstrafe für Tencent, die auch einen Einfluss auf die Kurse hatte.

Die Folge: Die Börsen-Dickschiffe Alibaba und Tencent sind in der Marktkapitalisierung kräftig eingebrochen und gehören nicht mehr zu den wertvollsten Top-Unternehmen weltweit. 

Die ADR-Struktur chinesischer Aktien in den USA ist langfristig auch nicht mehr haltbar. Gleiches gilt übrigens auch für die VIE-Strukturen. Das bedeutet, dass China bestimmte Strukturen schützt, an denen sich keine Ausländer beteiligen sollen. Möchte ich mich als Investor solchen Risiken aussetzen?

Wirklich werthaltig sind eigentlich nur die A-Aktien, an die Ausländer nur über Fondsgesellschaften rankommen. Auch die sogenannten H-Aktien sind im Wesentlichen auch „richtige“ Aktien, die in Hong Kong gehandelt werden und so auch Ausländern zur Verfügung stehen. Aber ADR und VIE-Strukturen sind mittlerweile echt heikel geworden. 

Deshalb muss ich mir als aktiver Investor dann die Frage stellen, ob chinesische Aktien nicht ein unkalkulierbares Risiko für das eigene Depot darstellen. Stefan Waldhauser hat sie sich hier gestellt. Gestellt habe ich mir die Frage aber schon im vergangenen Jahr. Da habe ich alle meine chinesischen Einzelaktien verkauft. Darunter waren mit Baidu und Tencent auch zwei ADRs, die in den letzten Monaten kräftig Achterbahn gefahren sind. 

Bei Einzelaktien bin ich nicht mehr bereit, dieses Risiko einzugehen. Wie sieht es aber mit den ETFs aus? Kann ich da auch das hohe Risiko aus dem eigenen Portfolio nehmen?
Kein 70/30 mehr?

Bei ETFs ist zumindest das Aktien-Risiko abgeschwächter, denn in den meisten China-ETFs sind tatsächlich auch die A- und H-Aktien vertreten. In der Regel besteht dann nicht die Gefahr mit dem Delisting der ADRs. Am besten schaut man da beim einzelnen ETF immer auf die Zusammensetzung wie hier beim iShares MSCI China A. Steht ein A hinter dem ETF oder Unternehmen ist es eine A-Aktie. Ein Beispiel für die Hong Kong Variante in einer synthetischen Variante siehst du hier. Es gibt aber China-ETFs mit ADRs und H-Aktien, wo man vorsichtig sein sollte.. 

Die Probleme mit der Einmischung der kommunistischen Partei in die Belange der Unternehmen bleiben aber auch bei den ETFs. Gleiches gilt für die geopolitischen Risiken, deren Gefahren durch den russischen Angriffskrieg deutlich größer geworden sind.

Die Rendite beim MSCI China liegt bei -31 % innerhalb eines Jahres. Die vom Emerging Markets ist mit -8,77 % zwar deutlich besser. Vergleicht man diese aber mit der Rendite (+ 18 %) eines MSCI World liegt der Unterschied bei fast 27 % (!!) innerhalb eines Jahres. 

Der Vanguard FTSE All-World hat eine Rendite von knapp 14 % und da sind ca. 10 % Schwellenländeraktien vertreten. Der All-Country-World-Index (ACWI) hat eine Rendite von 14,5 % geschafft und da liegt der Anteil der Schwellenländeraktien bei knapp 13 %. 
Die Zusammensetzung des ACWI ist anders als beispielsweise der MSCI World, weil auch Schwellenländer-Aktien enthalten sind. Du verzichtest hier nicht auf China oder andere Schwellenländer, aber das Risiko ist deutlich geringer. Der hohe Anteil der USA an den 2.959 enthaltenen Unternehmen ist zwar auch nicht ohne, aber der lässt sich mit einem Europa-ETF wie dem Stoxx 600 abschwächen. 

Das China-Risiko liegt sowohl beim ACWI als auch beim FTSE All-World nur bei knapp 4 %. Taiwan ist mit knapp 2 % vertreten. So sind die chinesischen Aktien-Risiken als auch die geopolitischen Risiken aus dem Depot entfernt. 

Wenn du beim ACWI auf die große Variante setzt, hast du sogar ganze 9.278 Unternehmen in einem ETF. Die große Variante hat das Kürzel IMI hinter dem Namen. Das steht für Investable Markets Index und bedeutet, dass neben den Large Caps auch mittlere und kleine Unternehmen enthalten sind. 

Mit einer Rendite von 10,14 % in den vergangenen Monaten ist hier aber auch ein größerer Abschlag zu den kleineren Varianten vorhanden. Leider gibt es bisher nur einen einzigen ACWI-ETF von SPDR auf den IMI. 

Fazit

Das zeigt: Sowohl ACWI als auch FTSE All-World haben eine sehr breite Diversifikation, ein geringeres Risiko und eine deutlich bessere Rendite als die oft hervorgehobene 70 % MSCI World- / 30 % Emerging Markets-Variante.     

Diese Weltportfolio-Aufteilung von 70 % MSCI World und 30 % Emerging Markets sollte angesichts der vielen Risiken zumindest mal hinterfragt werden. Die Abhängigkeit von China und Taiwan ist bei so einer Aufstellung einfach zu groß. Natürlich solltest du jetzt nicht alles über den Haufen schmeißen, aber wenigstens darüber nachdenken. 

Ergänzend zu diesem Newsletter empfehle ich dir noch das sehenswerte YouTube-Video von echtgeld.tv zum Weltportfolio. Dort wird auch darüber diskutiert, ob das 70/30-Weltportfolio am Ende ist oder nicht.

Ich bespare schon seit längerer Zeit nur noch einen ACWI-ETF im Sparplan und nicht mehr World/EM. Die alten Emerging-Markets-Anteile habe ich aber auch noch nicht verkauft. Persönlich möchte ich die Schwellenländer nicht aus meinem Portfolio ausschließen, aber dieses 48 %-Risiko will ich nicht mehr eingehen. 

Alternativ kann man sich auch eine kleine Position vom MSCI India oder MSCI Korea ins Portfolio aufnehmen. Das sind die nächstgrößten Schwellenländer hinter China und Taiwan. Die haben zwar auch wieder Probleme, wie beispielsweise den riesengroßen Samsung-Anteil (25 % des Index!), aber nicht diese Einmischungs- und geopolitischen Probleme wie bei China.

Dieser 24. Februar 2022 hat so vieles in vielen Bereichen geändert. Ein einfaches "Weiter so" gibt es nicht mehr - auch nicht bei der Aktienanlage. Aber gerade dort sollte man unnötige Risiken vermeiden. Hier lohnt es sich mal intensiver drüber nachzudenken.

Nachdenkliche Grüße aus Lübeck
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Nach einer sehr langen Pause von über drei Jahren wird es am 20. und 21. Mai endlich wieder eine Invest geben. Natürlich wird es auch wieder eine Blogger-Lounge mit einigen Bloggerinnen und Bloggern geben.

Ich werde auch dabei sein und freue mich schon, endlich wieder aus den eigenen vier Wänden rauszukommen. 

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Monatsrückblick
In den vergangenen vier Wochen habe ich zwar nach wie vor Podcast-Folgen aufgenommen und veröffentlicht, aber ansonsten hatte ich kein großes Bedürfnis, irgendetwas abseits davon zu posten oder zu veröffentlichen. 

Ich denke, dass die Situation in der Ukraine uns alle beschäftigt und ich fand es nicht angemessen, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Keiner weiß wie es weitergeht und was da noch alles kommen mag. Aber auf der anderen Seite bringt es auch nichts, auf lange Sicht gar nichts mehr zu posten.

Jede/r von uns ist froh, wenn er/sie auch mal Ablenkung erhält und nicht immer nur die schrecklichen Bilder aus der Ukraine sehen muss. Deswegen werde ich jetzt auch wieder mehr posten und veröffentlichen. Es fehlen ja noch ganz viele Bilder meiner Reise, die ich auf Instagram veröffentliche. 
Neue Folge von "Der Finanzwesir rockt"

Morgen erscheint nach über vier Monaten endlich wieder eine neue Folge von "Der Finanzwesir rockt". Wir haben dort den Investigativ-Journalisten Oliver Schröm zu Gast. Er hat vergangenes Jahr den mit dem Journalistenpreis ausgezeichneten Bestseller "Die Cum-Ex-Files"* veröffentlicht. Das Buch wird übrigens auch als Serie verfilmt.

Der Stoff eignet sich auch hervorragend als Krimi-Serie, denn was da alles von Politikern (u.a. unser Bundeskanzler Olaf Scholz), Millionären/Milliardären (u.a. Carsten Maschmeyer) und Banken abgezogen wurde, spottet jeder Vernunft. Wem dieses Thema bisher zu sperrig war, sollte unbedingt in die Podcastfolge reinhören und danach das Buch lesen. Es lohnt sich.

Nachschlag zum USA-Roadtrip

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für das viele positive Feedback zur USA-Roadtrip-Folge. Ich habe noch nie so eine positive Resonanz auf eine Podcast-Episode erhalten wie hier. Eine kleine Ergänzung gibt es in der neuen Mehr Mut zum Glück-Folge, die ich in den USA mit einem Gast aus Los Angeles aufgezeichnet habe. 

Wir lesen uns wieder im April. Bis dahin wünsche ich dir alles Gute.

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Daniel Korth, Dornbreite 7n, 23556, Lübeck, Deutschland
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