Auf LinkedIn wird ständig über schlechte Führungskräfte gesprochen. Aber kaum über schlechte Mitarbeitende.
Das Pendel ist aus meiner Sicht inzwischen zu weit ausgeschlagen.
Über toxische Führung, Mikromanagement, Kontrolle, mangelnde Wertschätzung und schlechte Kommunikation wird viel gesprochen. Zu Recht.
Über fehlende Eigenverantwortung aufseiten von Mitarbeitenden deutlich seltener.
Dabei erlebt vermutlich jede Führungskraft irgendwann Menschen, die nahezu jede Erwartung als Zumutung, Feedback als Angriff und Entscheidungen als persönliche Kränkung interpretieren.
Auch darüber sollten wir offen sprechen dürfen.
Denn als Führungskraft kann schnell das Gefühl entstehen: Wenn etwas nicht gut läuft, habe ich mich offenbar nicht genug gekümmert. Nicht genug motiviert. Nicht genug kommuniziert. Nicht genug Vertrauen geschenkt.
Aber Führung ist keine Einbahnstraße.
Gerade die heute immer wieder geforderten Themen wie Vertrauen, Homeoffice, Selbstorganisation, flexible Arbeitsmodelle und weniger Mikromanagement setzen eines voraus: Eigenverantwortung.
Wer Freiraum möchte, muss ihn auch verantwortungsvoll nutzen.
Wer Vertrauen einfordert, muss vertrauenswürdig handeln.
Wer Gestaltungsspielraum bekommt, sollte auch gestalten wollen.
Und ja: Mitarbeitende tragen Mitverantwortung dafür, dass Zusammenarbeit und Ergebnisse gelingen.
Aus meiner Erfahrung entstehen die besten Ergebnisse dort, wo beide Seiten Verantwortung übernehmen.
Führungskräfte müssen Orientierung geben, Entscheidungen treffen, zuhören und Rahmenbedingungen schaffen.
Mitarbeitende wiederum müssen bereit sein, mitzudenken, Verantwortung zu übernehmen und Beobachtungen, Ideen sowie kritische Punkte anzusprechen.
Gerade im Vertrieb sitzen beispielsweise wertvollste Marktinformationen häufig direkt bei den Menschen mit Kundenkontakt. Es wäre fatal, wenn diese Informationen aus Bequemlichkeit, Frust oder mangelndem Verantwortungsgefühl niemals ihren Weg ins Unternehmen finden.
Wir brauchen deshalb eine ausgewogenere Diskussion über Führung.
Nicht jede schwierige Situation ist automatisch ein Führungsversagen.
Und nicht jedes Problem lässt sich durch noch mehr Führung lösen.
Gute Zusammenarbeit braucht gute Führung – und gute Mitarbeitende.
Über schlechte Chefs zu reden, ist leicht.
Selbst Verantwortung zu tragen – egal auf welcher Hierarchiestufe – ist deutlich anspruchsvoller.
Weiterlesen: https://antje-heimsoeth.com/fuehrungskraefte-bashing-in-den-sozialen-netzwerken-fuehrung/