| Olympia Mindset
Erfolgsfaktor Fokus
Ski-Langläuferin und Biathletin Denise Herrmann bewies 2022 in der Biathlonstaffel Nervenstärke und führte das Frauenteam damit zu Bronze. Dabei hatte sie beim dritten Schießen einen Fehler zu verbuchen. Die Gefahr ist in solchen Momenten groß, diesem Fehler nachzuhängen, sich im Kopf damit zu beschäftigen, was das für den Ausgang des Rennens bedeuten kann und dadurch beim vierten Schießen erneut einen Fehler zu machen. Doch Herrmann erinnerte sich stattdessen daran, dass es besser ist, beim Laufen ans Laufen zu denken und beim Schießen ans Schießen, wie sie im Anschluss erzählte. Es sei wichtig, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Diese Fokussierung ist elementar für das Erbringen souveräner Leistungen. Wenn sie dem Fehler beim Schießen nachhängen würde, wäre sie mental in der Vergangenheit. Doch wenn sie physisch bereits wieder auf der Laufstrecke ist, ist das Schießen Vergangenheit – und muss deshalb auch mental abgehakt sein, damit sie sich aufs Laufen konzentrieren kann. Den Fokus aufs Hier und Jetzt zu legen, kommt aus dem Zen-Buddhismus: Beim Essen gilt es zu essen, beim Schlafen zu schlafen – und nicht zu grübeln, über den morgigen Tag nachzudenken oder aufs Handy zu schauen. Die deutsche Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl gewann Doppel-Gold mit der Mannschaft und im Einzel bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio. Sie betont, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu sein während einer Prüfung. Auch Skicrossfahrerin Daniela Maier, die bei den diesjährigen Winterspielen eine Bronzemedaille gewann, sagte nach ihrem Sieg: „Heute war ich sehr ruhig und bei mir, bin die Elemente gefahren und habe auf mich geschaut, das hat sich ausgezahlt.“ Wenn es um das Thema Stressmanagement und Burnout-Prävention geht, klagen viele immer wieder über Überlastung. Ich glaube, wenn wir uns weniger ablenken lassen würden, das Handy auch mal ausschalten und nicht auf zwei Bildschirmen auch noch ständig den E-Mail-Posteingang verfolgen würden, sondern uns mehr mit dem beschäftigten, was als Aufgabe vor uns liegt, wären wir schneller fertig mit der Arbeit und weniger überlastet. Wenn wir das Leben genießen wollen, ist es wichtig, immer wieder im Hier und Jetzt zu sein.
Wenn Sie mit Ihren Kindern spielen oder ihnen dabei zuschauen, sollten Sie versuchen, nicht an to do`s im Job zu denken, sondern den Moment zu genießen, mit voller Aufmerksamkeit. Denise Herrmann blendet am Schießstand alles andere aus. Das sollten wir auch bei der Arbeit nach Möglichkeit tun. Üben Sie sich darin, innere und äußere Störfaktoren auszublenden. Verfolgen Sie nicht länger das Gespräch des Kollegen mit einem Ohr, sondern richten Sie Ihre volle Aufmerksamkeit auf das, was genau jetzt zu tun ist. Erfolgsfaktor Förderer/Unterstützer
Unser Umfeld beeinflusst unser Denken, Fühlen, Handeln und Verhalten. Die Unterstützung seines Umfelds ist für jeden Menschen sehr wichtig. Das Wissen darum trägt ihn, spendet ihm Kraft, spornt ihn an. Um erfolgreich zu sein, benötigen wir ein unterstützendes Umfeld – das gilt für Sport wie Beruf. In einem Wettbewerb wie der Olympiade, wo es um absolute Höchstleistung im punktgenauen Moment geht, kommt auch dem Umfeld eine entscheidende Rolle zu.
Am Tag vor ihrer Goldmedaille (2022) telefonierte Denise Herrmann mit ihrem Mental Coach. Herrmann: „Ich habe mir erlaubt, mich mit jemandem auszutauschen, der meine Knöpfe kennt.“ Suchen Sie sich Menschen, die Sie ermutigen (Förderer). Am Abend vor dem Wettkampf respektive vor dem Erbringen von Höchstleistungen braucht man niemanden, der einen herausfordert, nämlich den Finger in die Wunde legt, indem er oder sie auf Gefahren, Widrigkeiten, Schwächen verweist, sondern man braucht Ermutigung. Ich arbeite gerade als Mental Coach im Langlaufbereich auf Weltcupniveau und ich weiß: Ein falsches Wort, zum falschen Zeitpunkt geäußert, lässt die Goldmedaille unerreichbar werden, weil die Athletin oder der Athlet mental an diesen Worten hängenbleibt statt sich auf ihr oder sein Handeln zu fokussieren.
Das gilt auch für die Wirtschaft: Jede(r) hat einen Anteil am Erfolg, die Ansprache der Führungskraft Richtung Mitarbeitende ist mitentscheidend für das Erbringen herausragender Leistungen. Als Führungskraft sollten Sie sich dessen unbedingt bewusst sein. Skilanglauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder, der bei dieser Winterolympiade Gold für den Mannschaftssprint Frauen und Silber für die Langlaufstaffel Frauen verbuchen konnte, weiß um die Wirkung des Umfelds: „Alle im Team haben Anteil am Erfolg, selbst der, der die Deko macht, viele helfende Hände. Aber ein blöder Spruch kann einen Athleten zerstören.“ | | | | Eine Treppe und eine Rolltreppe
Die meisten Menschen warten auf eine Rolltreppe, wenige gehen die Treppe. Stellen Sie sich vor, Sie gehen durch einen belebten Flughafen, die S-Bahn Station oder ein Einkaufszentrum. Vor dir, nebeneinander, liegen zwei Möglichkeiten: Eine Treppe und eine Rolltreppe. Ohne zu viel darüber nachzudenken, welche Möglichkeit wählst du normalerweise? Für die meisten Menschen ist die Antwort die Rolltreppe. Dieses Muster sollte wohl keine Überraschung sein. Menschen sind evolutionär darauf optimiert, Energie zu sparen. Wenn zwei Optionen verfügbar sind und keine unmittelbaren Nachteile entstehen, wird fast immer die weniger anstrengende gewählt. Die Metapher macht folgende Punkte sichtbar: Aktives Wachstum erfordert kognitive und physische Anstrengung, die das Gehirn instinktiv vermeidet. Fortschritt ohne Anstrengung ist fast immer geliehen. Fortschritt mit Anstrengung gehört dir. Die Metapher erklärt, warum kleine, konsequente eigene Anstrengungen langfristig oft überlegen sind, obwohl sie kurzfristig unbequemer und mühsamer sind. Die Herausforderung besteht darin, dass das, was kurzfristig Energie spart und bequem ist, unser langfristiges Wachstum oft einschränkt. Exzellent zu werden hat immer die Bereitschaft erfordert, das zu tun, was die meisten Menschen konsequent vermeiden. Die Frage stellt sich also: Was bist du bereit immer wieder zu wählen, damit du Ergebnisse erzielen kannst, die die meisten Menschen nie erreichen werden? Hier sind ein paar Reflexionsfragen, mit denen du überprüfen kannst, wie sich diese Entscheidungen in deinem eigenen Leben zeigen. 1. Wo nehme ich schon die Treppe und sehe dadurch Ergebnisse? 2. Wo bin ich auf der Rolltreppe gefahren, ohne es zu merken? Wo haben sich Bequemlichkeit oder Vermeidung in meine täglichen Gewohnheiten eingeschlichen? | | Best Case
Ich habe mich früher dabei ertappt, wie ich Stunden damit verbrachte, mich auf das vorzubereiten, was schiefgehen könnte, und fast keine Zeit damit, mir vorzustellen, was gut gehen könnte. In dem Moment, als ich anfing zu fragen: "Was, wenn das wirklich funktioniert?", wurden meine Entscheidungen mutiger und seltsamerweise auch klarer. Das ist ein so kraftvoller Perspektivwechsel. Wir sind oft Experten in der Risikobewertung, aber Anfänger darin, unser eigenes Potenzial vorzustellen. Wenn man das Drehbuch umdreht und sich darauf konzentriert, was gut laufen könnte, beginnt das eigentliche Wachstum. Die Vorstellung des Best-Case-Szenarios fördert Optimismus, erhöht die Motivation, reduziert Angst und stärkt Resilienz. Diese mentale Praxis verlagert den Fokus von Angst hin zu Potenzial und richtet Handlungen mit Zielen aus. Sie zeigt eine proaktive Denkweise, die auf persönliches Wachstum und konstruktive Problemlösung abzielt, und ist entscheidend, um Hoffnung und emotionales Gleichgewicht zu bewahren. | | |
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