Aufmerksamkeit ist Lebenszeit.
Der Neurologe und Psychiater Professor Volker Busch hat das Leben eines Durchschnittsmenschen (80 Jahre) einmal grob in Zeitblöcke aufgeteilt:
• 🛌 26 Jahre Schlafen
• 💼 15 Jahre Arbeiten
• 🍽 5 Jahre Essen und Trinken
• 🏃 1 Jahr Sport
• 🚽 ca. 5 Monate auf der Toilette
• 💋 etwa 1 Monat Küssen
• 👟 ein paar Wochen Schuhe binden
Und dann kamen die Zahlen, bei denen es im Raum plötzlich sehr still wurde:
• 📺 12 Jahre Fernsehen
• 📱14 Jahre Smartphone-Nutzung
• 25 Jahre Internetsurfen
Natürlich sind das nur Näherungen.
Ich habe mich die letzten Wochen selbst ertappt.
An der Supermarktkasse kurz aufs Handy schauen.
Beim Warten auf den Zug scrollen.
Zwischendurch eine kleine Ablenkung am PC und zum Beispiel nach einer Reise für meinen nächsten Urlaub suchen.
Alles nur kurze Momente. Aber in Summe werden daraus Jahre unseres Lebens.
Hängen geblieben ist bei mir auch die „Idee“ von Prof. Busch:
Es geht nicht nur um Konzentration – sondern um die richtige Mischung.
Einerseits sogenannte „tiefe Stunden“: Eine Zeitspanne am Tag, in der man konzentriert arbeitet – ohne Ablenkung, ohne Smartphone, ohne ständige Unterbrechungen.
Und andererseits bewusst das Gegenteil: Phasen, in denen wir einfach mal nichts tun ... uns langweilen.
Unser Gehirn ist darauf angewiesen, zwischen Phasen intensiver Konzentration und Phasen bewusster Ruhe zu wechseln. Während konzentrierter Arbeit sind vor allem aufgabenbezogene Netzwerke im Gehirn aktiv, die Aufmerksamkeit und Problemlösen steuern. In Momenten des scheinbaren Nichtstuns wird hingegen häufig das sogenannte Default Mode Network aktiv, ein neuronales Netzwerk, das unter anderem mit Selbstreflexion, Gedächtnisverarbeitung und kreativen Denkprozessen verbunden ist. Studien zeigen, dass solche Ruhephasen wichtige kognitive Funktionen unterstützen, etwa das Konsolidieren von Erinnerungen, die Entwicklung neuer Ideen und die geistige Regeneration. Ein ausgewogenes Zusammenspiel von fokussierter Arbeit und bewusst eingelegten Pausen trägt daher wesentlich zur Leistungsfähigkeit und zum langfristigen Wohlbefinden des Gehirns bei.
Quellen:
Raichle, M. E. et al. (2001). A default mode of brain function. Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).
Smallwood, J., & Schooler, J. W. (2015). The Science of Mind Wandering: Empirically Navigating the Stream of Consciousness. Annual Review of Psychology.
Immordino-Yang, M. H., Christodoulou, J. A., & Singh, V. (2012). Rest is not idleness: Implications of the brain’s default mode for human development and education. Perspectives on Psychological Science.